Armenien

Armenien ist immer noch ein recht unbekanntes Land, aber es schaut auf eine mehr als dreitausendjährige Geschichte zurück. Die Armenier pflegen mit Stolz ihre reiche kulturelle Vergangenheit, mit ihren uralten Schätzen, spektakulär über den Schluchten thronenden Kirchen und Klöstern, sowie ihre tief christlichen Traditionen. Es gilt als erstes Land, in dem das Christentum Staatsreligion wurde. 
Ein Hauch von Orient ist hier im „kleinen Kaukasus“ spürbar, wurden doch auf der alten Seidenstraße vielerlei Waren gehandelt und nach Osten geschickt.Mit über 5.000 Kulturdenkmälern unter freiem Himmel ist das kleine Land wohl das größte Freilichtmuseum der Welt. Naturliebhaber können in den Bergregionen des südlichen Kaukasus eine einzigartige Flora und Fauna entdecken.

Als Binnenstaat im Kaukasus (Vorderasien) mit rund 3 Millionen Einwohnern liegt Armenien im Bergland zwischen Georgien, Aserbaidschan, dem Iran und der Türkei. Weite Strecken des Landes sind wüsten- oder steppenartig, doch die Armenier gewinnen dem kargen Land einiges ab: ihr Obst und ihr Wein sind vom Feinsten.

Alaverdi

Diese Industrie und Kupferminenstadt mit ca. 17.000 Einwohnern gehört zu den Industriezentren dieser Gegend. Eine Sehenswürdigkeit der Stadt selbst ist eine mittelalterliche Brücke aus dem 12. Jh, aber in direkter Umgebung liegen viele wichtige Kulturdenkmäler, wie z.B. die Klosterruine Kobayr, zu der Sie auf einem, unter Walsnussbäumen hindurchführenden, mitunter feucht-rutschigen Naturpfad ein wenig den Berg hochkraxeln müssen, aber sich hier die Mühe auf jeden Fall lohnt. Oder die Kathedrale von Odzun aus dem 6. Jh in der der Geistliche, wenn er nicht gerade unterwegs ist, mit seinem herrlichen Bassgesang diese wunderschön gelegene und von innen prachtvolle Kirche mit Leben erfüllt, und Hagphat und Sanahin (s.u.), zwei absolute Highlights einer jeden Armenienreise.

Ashtarak

Ashtarak ist eine der ältesten Städte Armeniens mit einer Vielzahl von historischen und interessanten Gebäuden aus dem 19. Jhd. Dadurch hat es seinen mittelalterlichen Charme erhalten können. Einer Legende nach lebten drei Schwestern in Ashtarak, die alle den gleichen Mann liebten, Prinz Sargis. Schließlich entschieden sich die zwei älteren Schwestern Selbstmord zu gehen, damit die jüngste Schwester ihr Glück mit dem Mann finden konnte. Sie kleideten sich in ein rotes und apricot-farbenes Kleid und stürzten sich in die Schlucht. Als die jüngste Schwester davon erfuhr, zog diese ein weißes Kleid an und sürtzte sich auch hinunter. Sargis wurde ein Eremit und 3 kleine Kirchen erschienen an der Kante zur Schlucht, benannt nach den Kleiderfarben der Schwestern. Die Stadt beherbergt auch noch zwei weitere interessante Kirchen; Sub Sarkis wurde im 19. Jhd. erbaut und steht auf einer Klippe der Schlucht, von wo aus man einen eindrucksvollen Ausblick über die Schlucht und die 3 Kirchen der Schwestern genießen kann. Sub Mariné ist die größte Kirche der Stadt, wurde 1271 erbaut und liegt direkt im Zentrum. Sehenswert ist die ungewöhnliche Steinbrücke aus dem 16. Jhd, die den Kasagh Fluß überquert und drei unterschiedlich große Bögen zeigt.

Amberd

Amberd ist eine mittelalterliche, seit 1236 teilweise zerstörte Festung, auf einer Höhe von 2300 m am Südhang des Berges Aragaz. Die Anlage, auf einem Bergsporn erbaut, gehörte zu einem Verteidigungssystem, das die Ebene des Ararat kontrollierte. Neben den Resten der Festungsanlage und der Kirche Surb Astvazazin sind Teile eines dreistöckigen Palastes, ein von zwei Kuppeln überdachtes Badehaus, ein zentrales Heizungssystem, das Wasserversorgungssystem inklusive Zisternen, und ein Geheimgang vom Palast zu den anderen Gebäuden erhalten.

Chor Virab

Chor Virab, ein armenisches Kloster, liegt zwischen den Städten Artaschat und Ararat etwa 40 km südlich von Jerewan in Sichtweite der Grenze zur Türkei. Einer Legende zufolge sperrte König Trdat III. im Jahre 288 n. Chr. auf der kleinen Anhöhe inmitten der Ebene des Araxtals Gregor den Erleuchter in einer Höhle ein und hielt ihn dort 13 Jahre lang gefangen, um ihn vom christlichen Glauben abzubringen. Die Folter konnte Gregor jedoch nicht beugen, und als dieser den König von einer angeblich unheilbaren Hautkrankheit heilte, ließ sich der König mit seiner Familie und dem gesamten Hof im Jahre 301 taufen und verfügte, dass die Armenier – als erstes Volk in der Geschichte – das Christentum als Staatsreligion annahmen. Heute steht auf der Anhöhe ein kleines Kloster aus dem 17. Jahrhundert, das aus der Muttergottes-Kirche von 1661 und der St.-Georg-Kapelle besteht. Aufgrund dieser legendenhaften Ereignisse hat das Kloster für die Armenier eine besondere Bedeutung und wurde das Nationalsymbol.

Dilidschan

Dilidschan, ein kleiner Kurort, erstreckt sich über 20 Kilometer an den Ufern des Aghstew und liegt auf 1.500 m Höhe umgeben von Bergen im Dilidschan-Nationalpark. Hier findet man sehr schöne Beispiele traditioneller armenischer Holzhausarchitektur. Die Einheimischen nennen es wegen dieser idyllischen Lage daher auch die „Kleine Schweiz“ Armeniens. Dilidschan ist einer der wichtigsten Erholungs- und Tourismusorte in Armenien. Es ist reich an Mineralquellen, und dem „Dilidschan“-Mineralwasser sagt man heilfördernde Wirkung nach. 
Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten zählt vor allem das Kloster Hagharzin. Es setzt sich zusammen aus drei Kirchen und einem Speisesaal, die im Mittelalter erbaut wurden. Im Kloster sind auch mehrere Chatschkare (eine Stele, ein Monolith, mit eingravierten Kreuzen, Weintrauben, Palmenblättern, Tieren, Ranken und Schriftzeichen. Chatschkare sind Gedächtnis-Monumente und künstlerische Objekte ganz besonderer Art) zu besichtigen. Ein weiteres mittelalterliches Kloster, Goschawank, befindet sich im wenige Kilometer entfernten Dorf Goscha.

Garni und Höhlenkloster Geghard

Garni ist eine armenische Kleinstadt, etwa 30 km östlich von Jerewan. Sie war einige Jahrhunderte lang Sommerresidenz der armenischen Könige – Ruinen der Festung Garni existieren noch heute. Hoch auf einem Felsen liegt der einzige im Kaukasus erhaltene hellenistische Tempel, der Mithras-Tempel. Noch heute finden hier regelmäßig dem Sonnengott Mihr geweihte Zeremonien statt. Sehenswert ist das Badehaus aus dem 3. Jh, das nach römischen Vorbild mit Mosaikböden gebaut wurde und die antike Kirche aus blau-schwarzem Basalt. Ganz in der Nähe liegt in einer malerischen Felsenschlucht das Geghard-Kloster aus dem 12. Jh., die bedeutendste Wallfahrtsstätte Armeniens und zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Der ungekürzte Name Geghardavank bedeutet „Kloster zur Heiligen Lanze“. Hier soll der Legende nach jene Lanze aufbewahrt worden sein, mit der römische Soldaten Jesus nach dem erlittenen Kreuztod in die Brust stachen und die der Apostel Thaddäus nach Armenien gebracht haben soll. Die Klosteranlage erscheint wie eine gut getarnte Festung, da die Räume teilweise in die Felswände gehauen sind. In einer dieser Felsenkirchen ist eine heilige Quelle zu finden, an der sich in früheren Zeiten ein heidnisches Wasserheiligtum befand. Vor dem Kloster verkaufen Frauen aus den umliegenden Dörfern eine Spezialität der Region, die sich gut als Souvenir eignet. Es handelt sich bei den schön verzierten Kuchen um ‚Sudscguch‘ und ‚Gata‘, aus Brotteig gebackenen und mit Zucker gefüllten Kuchen, die normalerweise zu Festlichkeiten oder Feiertagen gebacken werden.

Gjumri

Gjumri ist mit etwa 130.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Armeniens. Sehenswert sind hier das Dzitoghtsyan-Museum, das Museum für Nationalarchitektur und der historischen Markt. In der Nähe der Stadt liegt das Kloster Marmaschen, ein religiöses und kulturelles Zentrum Armeniens und ein wertvolles Beispiel der armenischen Architektur. Laut der an der südlichen Wand eingelassenen Inschrift, wurde hier die Hauptkirche in den Jahren 988-1029 errichtet.

Goris

Auf dem Weg nach Goris passieren Sie das, mitten in der Natur, auf einer von kahlen Bergen umgebenen, grasbewachsenen Hochebene gelegene Obeservatorium von Karahunj, auch unter dem Namen Zorakar bekannt. Die 3000 v. Chr. hier aufgestellten 204 bis zu drei Meter hohen Basaltsteine haben zum Teil handgroße, exakt gebohrte Löcher, durch welche die damaligen Astronomen den Verlauf der Sterne genau beobachten konnten. In unmittelbarer Nähe erkennt man noch die Grundmauern von Häusern und Grabanlagen aus dem 1. Jahrtausend n. Chr. Goris liegt auf 1370 m Höhe malerisch in einem Talkessel des Flusses Vararak, umgeben von hohen Sandsteinbergen. Charakteristisch für die Stadt sind der schachbrettartige Grundriss und die die Straßen begleitenden Wasserläufe. Sehenswert sind neben den gut gepflegten Stadthäusern die bis weit ins 20. Jahrhundert als Wohnung dienenden teils sehr verzweigten Felshöhlen von Khndzoresk. Desweiteren kann man von hier aus leicht das alte armenische Kloster Tatev besuchen. Es ist eines der bedeutendsten Architekturdenkmäler im Osten Armeniens. Das Klostergelände umfasst drei Kirchen. Im Mittelalter war es das spirituelle und kulturelle Zentrum Armeniens; teilweise lebten und arbeiteten dort 500 Mönche. Wie viele armenische Klöster des Mittelalters wurde Tatev mit einer Mauer zur Abwehr der Invasionen dieser Zeit umgeben. Die strategisch vorteilhafte Position auf einem Bergvorsprung, begrenzt durch eine tiefe Flussschlucht mit steilem, felsigen Hang begünstigte die Errichtung eines mächtigen Verteidigungskomplexes an dieser Stelle. Die Einrichtung wurde bis 1920 benutzt. Seit dem 16. Oktober 2010 ist das Kloster durch die Seilbahn von Tatev über die Worotan-Schlucht mit dem Ort Halidsor verbunden. In elf Minuten können Besucher nun das ganze Jahr über das Kloster erreichen. Die Seilbahn ist mit 5750 Metern die längste Pendelbahn der Welt.

Haghbat und Sanahin

Haghpat ist durch Haghpatavank, einen Klosterkomplex, bekannt, welcher im 10. Jh. gegründet wurde und zusammen mit dem Kloster in Sanahin zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Über das Gelände verteilt finden sich einige Chatschkare (Steine mit kunstvollen Gravuren die meist Kreuze darstellen) und bischöfliche Grabstätten. Der Komplex ist ein herausragendes Beispiel für die mittelalterliche armenische Architektur und galt als ein Wehrkloster. Eingebettet in die Berglandschaft scheint die Anlage als wüchse sie aus der Erde empor. Das älteste sakrale Gebäude ist die Heilig-Kreuz-Kirche. Das Wahrzeichen von Haghpat ist der mehreckige, oktogonale Glockenturm von 1245, der als architektonisches Meisterstück gilt.
Die Klosteranlage Sanahin gilt als die vollkommenste Anlage Armeniens und wird vom Kloster Haghbat durch die gewaltige Debed-Schlucht getrennt. Diese wird überspannt von einer neunzehn Meter langen Brücke, eine technische Großtat aus dem 12. Jh. und das älteste weltliche Bauddenkmal Armeniens. Mittelpunkt des Kloster ist die Bibliothek, die Sanahin als einen wichtigen Ort des armenischen geistlichen Lebens ausweist.

Kloster Noravank

Kloster Noravank gilt als eines der schönsten armenischen Klöster. Die aus hellem, sandfarbigen Ani-Stein erbaute Anlage thront in völliger Einsamkeit auf einer Anhöhe, umrahmt von schroffen Felsen. Das Kloster wurde 1205 gegründet und ist von einer Wehrmauer umgeben. Ältestes Bauwerk ist hier die Täuferkirche (Surb Karapet), deren Mauern aus dem 9./10. Jahrhundert stammen. Das heutige Gebäude wurde in der ersten Hälfte des 13. Jh. errichtet und diente als Bischofssitz und Grabstätte der Orbeljan-Fürsten. Man sollte unbedingt nach Bruder Sahak fragen, dem sympatischen Dienst habenen Geistlichen, der ein hoch begabter Fotograf ist. Er hat sein geliebtes Noravank zu jeder Tages- und Nachtzeit mit den unglaublichsten Belichtungen und aus den ungewöhnlichsten Perspektiven fotografiert. Aus den besten Fotos hat er einen automatischen Diavortrag, untermalt mit klassischer Musik, zusammengestellt und ist gern bereit, diesen vorzuführen. 

Sevan See

Der Sevan See ist mit 940 km² (zirka 78 km lang und 56 km breit) nicht nur der größte Süßwassersee Armeniens, sondern auch der größte des Kaukasus und mit einer Höhe von etwa 1900 m ü.d.M. auch einer der höchsten Hochgebirgsseen der Welt. Er liegt etwa 60 Kilometer nordöstlich von Jerewan und ist eingeschlossen von erloschenen Vulkanen. Er ist Erholungs- und Feriengebiet, beliebt bei Fischern und Urlaubern. Spätestens wenn man an der nordwestlichen Küste am Sandstrand sitzt und auf das türkisblau schimmernde Wasser blickt, versteht man auch, warum die Schönheit dieses Ortes zu so manchem Gedicht und Lied inspiriert hat.
Sehenswert ist das am nordwestlichen Ufer auf einer Halbinsel gelegene Kloster. Es stand ursprünglich auf einer kleinen Insel im See, aber durch die massive Ableitung des Seewassers für landwirtschaftliche Zwecke während der Sowjetzeit, machten aus der einstigen Insel die heutige Halbinsel. Das darauf befindliche Kloster Sewanawank bestand ursprünglich aus drei Kirchen, von denen heute noch zwei in traditionell armenischer Kirchenarchitektur bestehen. Das Kloster war ein Ort der Wallfahrt und bestand als solches bis 1930, als die letzten Mönche während der Stalinzeit den Ort verlassen mussten. 
Rund um den See wurden bronze- und eisenzeitliche Siedlungen mit Felsenbildern und Skulpturen, Gräbern und Keramiken entdeckt, von denen einige Stücke in den Museen von Jerewan zu finden sind.
Von hier erreicht man über den Selim-Pass (2.410 m), mit einem phantastischen Ausblick auf den Ararat, eine der besterhaltenen Karawansereien des Landes aus dem 14. Jahrhundert. Sie Selim Karawanserei wurde erbaut um müden Reisenden und deren Tieren eine Unterkunft auf ihrem anstrengenden Weg über den Pass zu bieten.

Vanadzor

Mit etwa 100.000 Einwohnern ist sie die drittgrößte Stadt Armeniens und Hauptstadt der Provinz Lori. Auf der belebten, von Shops und Restaurants gesäumten, baumbestandenen Hauptstraße lohnt sich hier ein kleiner Spaziergang sowie ein Besuch der Mutter-Gottes-Kirche (15.-18. Jh). Bei der Gelegenheit sollte man das bei den Studenten der umliegenden Institute äußerst beliebte und wirklich schmackhafte, immer frisch und heiß verkaufte Schmalzgebäck ‚Pirogi‘ probieren.