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Hier geht`s zur 2. Transsib-Reise





Weites Sibirien und wilde Mongolei


01. Juli

Es geht gut los:
Alles scheint perfekt organisiert zu sein, bloß eine Flugzeitenveränderung der Air Berlin bringt bereits am ersten Tag alles durcheinander.
Folgende E-Mail erreicht mich von unserer Reiseagentur:

Sehr geehrte Frau Ehrhardt,
eben rief unser Moskauer Büro an - es wäre auch ohne die Zeitverschiebung von Air Berlin zu einem Zeitproblem gekommen. In Moskau wird auf der Flughafenstrecke gebaut und in den Nachrichten wird von Millionen Verlusten jeden Tag berichtet, die die Aeroflot hat, weil die Kunden nicht pünktlich zum Airport durchkommen.
Daher hat unsere Büroleiterin in Moskau, Sonja, mit unserem Fahrer, Victor, folgendes beschlossen:
1. Sie kommen hoffentlich - notfalls mit ein bisschen Drängelei - schnell durch die Passkontrolle, dann zu Ihrem Gepäck und dann durch die Zollkontrolle `green channel`, wo heutzutage so gut wie jeder durchgewunken wird.
2. Wenn Sie nach der Zollkontrolle durch die selbstöffnende Tür kommen, sehen Sie das Schild Ehrhardt bzw. Knop Reisen in der Hand vom Fahrer Victor. Sie haben zwei Fahrzeuge und fahren gemeinsam entweder bis zur nächsten Metro oder bis zum Weißrussischen Bahnhof.
3. In beiden Fällen werden die Fahrzeuge abgestellt und Sie fahren ohne Stau erst mit der Metro und dann per Airportzug zum Flughafen Sheremetjewo 3. Ein Zug fährt um 19.00 Uhr ab Weißruss. Bahnhof und einer um 19.30 Uhr. Victor begleitet Sie bis Sie eingecheckt haben.
4. Die Damen von der Aeroflot stehen in Telefonkontakt mit Sonja. Falls es knapp wird, schickt Ihnen die Aeroflot einen Extrabus zum Ende der Airportzugstrecke und holt Sie ab.
5. Die Aeroflot wartet auf Sie, so dass eigentlich alles gut gehen muss.
Wichtig ist, dass Sie alle irgendwie Ihr Gepäck handeln können!
Mit besten Grüßen Doris Knop

Die Spannung steigt, werden wir den Wettlauf gegen die Uhr schaffen? Uns regt es nicht so sehr auf denn es gibt noch einen Nachtflieger nach Krasnojarsk. Schauen wir mal.


02. Juli

Ich muss nur bis zum Mittag arbeiten, dann sage ich Tschüss. Es ist heute unglaublich warm. Das Thermometer im Auto zeigt 34 Grad. Zu Hause ist noch einiges zu tun. Gegen Abend gehe ich mit Dieter in den Ratskeller (natürlich Biergarten) und wir essen Abendbrot incl. Viertele. Wer weiß, wann wir so etwas wieder bekommen. Gegen 22 Uhr legen wir uns ins Bett in der Hoffnung, dass wir in dieser Wärme schlafen könnten.


03. Juli

Abflug von Stuttgart nach Berlin-Tegel 06.45 Uhr mit Air Berlin AB 6528, Ankunft um 08.00 Uhr. Abflug von Berlin-Tegel nach Moskau um 12.20 Uhr mit Flug AB 8352, Ankunft in Moskau auf dem Flughafen Domodjedowo um 17.05 Uhr. Transfer vom Flughafen Domodjedowo zum Flughafen Scheremetjewo und Weiterflug von Moskau nach Krasnojarsk um 21.00 Uhr mit der Aeroflot Flug SU 779.
Wir wachen zehn vor 3 Uhr auf, da hätten wir auch keinen Wecker stellen brauchen.
Dusche, Sachen ins Auto und los. In Leinfelden-Echterdingen finden wir erst im 2. Anlauf unseren Parkplatz, es ist ein ganz schönes Gewühle hier mitten in der Nacht. Wir werden mit einer Familie die nach Italien fliegt in einen Bus verfrachtet und nachdem Dieter das Auto in der Tiefgarage versenkt hat, werden wir zum Flughafen gebracht. Hier ist es auch unglaublich voll.
Simone ist auch schon da und wir checken ein. Bordkarten von Stuttgart nach Berlin konnte ich bereits im Internet holen, die nach Moskau gibt es erst hier, weil das Visa geprüft wird. Wir bekommen für den Moskau-Flieger Plätze in Reihe 2, da sollte es dann mit einem schnellen Aussteigen klappen. Nun lassen wir uns am Gate 333 nieder und warten auf den Abflug. Es geht pünktlich in den Flieger und wir hoffen auf einen pünktlichen Start. Den gibt es allerdings nicht. Der Flughafen muss gesperrt werden wegen einer Notlandung. Ein Flieger hat einen Notruf abgesetzt und der muss nun runter geholt werden.
Eine ganze Armada von Feuerwehren werden in Position gebracht und nach einer Weile landet eine Maschine der Germanwings. Sie wird von der Rollbahn gebracht und die Feuerwehren fahren alle hinterher. Da wir in der Warteschlange die erste Maschine sind, gehen wir auch als Erste in die Luft. Im Flieger eine warme Laugenbrezel – Tschüss Schwaben.
Nach 50 Minuten sind wir in Berlin, auch hier ist es in der Abflughalle unheimlich voll. Die leert sich aber schnell und wir werden raus geschmissen um eine Passkontrolle zu durchlaufen. Also wieder Sicherheitsschleuse, es nervt.
Nun nehmen wir Platz ein einem Raum vor den Gates und harren der Dinge die da kommen. Gegen 10 Uhr dürfen wir wieder rein. Carina hat es auch bis zum Flughafen geschafft. Sie hat hier in Berlin bei Verwandten übernachtet.
Wir setzten uns wieder an das Gate, natürlich nicht ohne erneute Pass- und Sicherheitskontrolle. Im Duty Free gibt es noch Whisky, irgendwann kommen auch Sylvie, Rainer und Volkmar. Volkmar sieht gar nicht gut aus. Er hat ziemliche Flugangst und bekämpft sie mit Kümmerling. Nun ist die Minireisegruppe komplett. Wir, dass sind Simone, Dieters Assistentin aus dem Geschäft, meine Freundin Carina aus Jena, Erika aus Linnich bei Aachen, die ich in Sri Lanka kennen gelernt und in Vietnam wieder getroffen habe, Sylvi und Rainer, mit denen ich auf Kuba war und Volkmar, der Lebensgefährte von Sylvi, alle 3 aus Berlin. Eine bunt gewürfelte Truppe, mal sehen wie es mit uns klappt.
Wir telefonieren mit zu Hause. Dieter erfährt, dass es für seinen Sohn einen Einsatzbefehl nach Afghanistan gibt. Ich sage Katharina, Alex und der Oma Tschüss.
Dann dürfen wir doch tatsächlich einsteigen. Dieter und ich sitzen strategisch gut, in Reihe 2. Der Flug dauert knapp 3 Stunden und es gibt keine Probleme.
In Moskau Domodjedowo landen wir und die erste Hürde ist die Passkontrolle. Ein Raum voller Menschen und ein paar Schalter. Da müssen wir durch. Es geht sogar einigermaßen schnell. Wir haben offensichtlich alles richtig ausgefüllt und auch das richtige Visum. Wir dürfen einreisen. Dann dauert es ewig am Gepäckband bis alle die Koffer haben. Vor der Tür warten Erika und Victor. Erika ist über München nach Moskau geflogen und hatte auch fast eine Stunde Verspätung. Victor ist interessant gekleidet. Er hat schwarze Kniestrümpfe an, eine dreiviertellange Schlabberhose und ein T-shirt. Dabei hat er eine schwarze Plastiktüte. Er treibt uns zum Ausgang, platziert uns auf einen Seitenstreifen und drückt uns die Fahrkarten und Bettkarten für die Transsib in die Hand. Hier stehen alte Wolgas und Ladas, aber auch alle deutschen Nobelmarken sind vertreten. Es riecht nach 2-Taktern und so wie früher in der DDR.
Irgendwann kommt ein kleiner Bus. In den werden unser Gepäck und auch wir verladen. Nun sind wir mal gespannt wie wir zum Flughafen Scheremetjewo III kommen. Es klang ja in der letzten E-Mail abenteuerlich.
Der Fahrer fährt wie ein Henker, alle fahren wie die Henker. Es wird wild überholt, rechts oder links. Man schneidet den anderen und ab und zu habe ich dass Gefühl das Fahrzeug neben uns berührt uns. Wird schon schief gehen. Victor sitzt bei uns, redet aber keinen Ton. Irgendwann kommen wir an einem Lenin-Denkmal vorbei und Carina würdigt dieses lautstark. Da wird Victor plötzlich gesprächig und redet auf Russischdeutsch wie ein Buch. Carina übersetzt uns alles. Wir fahren durch das Stadtzentrum und vorbei am Kreml. Wenn auch sonst die Bebauung sehr sozialistisch aussieht so ist es hier sehr schön. Na am Ende der Reise haben wir noch ein wenig Zeit in Moskau. Die Fahrweise hier ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wir müssen ja glücklicherweise nicht selber fahren. Auch am Belorussischen Bahnhof hält er nicht, hier sollten wir ja eigentlich in die Regionalbahn umsteigen. Offensichtlich fahren sie uns nun doch direkt zum Flughafen Scheremetjewo III, an dem wir dann tatsächlich aussteigen dürfen; Es ist ein sehr moderner Flughafen. Wir stellen uns an eine unendlich lange Schlange an um zu Bordkarten zu kommen. Eine interessante Information aus Deutschland: Im Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft hat Deutschland Argentinien mit 4 :0 geschlagen. Als wir die Bordkarten dann endlich haben, verabschieden wir uns von Victor, denn er darf hier nicht weiter. Die Sicherheitskontrolle ist sehr lustig. Jeder bekommt eine blaue Badewanne und da müssen wir alles rein packen, auch die Schuhe. Dafür bekommen wie 2 kleine blaue Plastiktüten für die Füße. Auf der anderen Seite können wir dann alles wieder anziehen und zum Gate gehen. Hier warten wir wieder eine ganze Weile ehe wir einsteigen können. Dieter und ich lassen uns in Reihe 29 nieder. Der Fensterplatz bleibt unbesetzt so dass wir genug Platz haben. Auch hier alles in Blau. Eine relativ neue Maschine mit blauen Ledersitzen, nobel, nobel. Es gibt etwas zu Essen und am Horizont wird es gar nicht richtig dunkel. 2 Uhr geht die Sonne wieder auf und färbt den Himmel in einem tollen Orange. Nun haben wir bald 24 Stunden nicht geschlafen. Ein vor uns sitzendes brüllendes Kind lässt es auch nicht wirklich zu. Teilweise wackelt es ganz ordentlich so dass uns das Wasser aus den Bechern hüpft. Nach dem Essen versuchen wir dann zu schlafen und es geht irgendwie.


04. Juli

Ankunft in Krasnojarsk um 05.40 Uhr und Transfer zum Hotel Krasnojarsk. Dort stehen Ihnen sofort zwei Doppel- und zwei Einzelzimmer zur Verfügung. Frühstück gibt es im Hotel ab 06.00 Uhr (ist im Preis enthalten). Um 13.00 Uhr beginnt Ihre sechsstündige, deutschsprachige Stadtrundführung zu Fuß inkl. Besuch des sehr sehenswerten Heimatkundemuseums mit einer exzellenten Ausstellung über die Minderheiten Sibiriens (Eintrittsgebühr ist im Preis enthalten). Abends können Sie auf dem Platz vor dem Hotel und am nahegelegenen Jenissejufer herrliches Sommerleben mit Straßencafés, Grillrestaurants, Musik und Tanz beobachten! Transfer zum Bahnhof und Abfahrt von Krasnojarsk nach Taischet um 00.40 Uhr mit Zug Nr. 240 (Waggon Nr. 9, Betten Nr. 5 bis 12).
Irgendwann ist dann Hektik im Flieger, wir setzten zur Landung an. Die Gegend ist eine unglaubliche Weite mit viel Wald und Wiesen und wenig Bebauung. Wir landen in Krasnojarsk. Ein überschaubarer Flughafen, wir stehen gleich in dem einzigen Raum und werden von einer Dame der hiesigen Agentur begrüßt die sehr gut Deutsch spricht. Auch jetzt sind wieder alle Koffer mitgekommen und wir werden in einen Kleinbus verfrachtet. Der ist etwas größer als der in Moskau und wir haben gut Platz. Nun rumpeln wir ca. 40 Minuten durch dieses Land. Die Straßen erinnern an die in der DDR. Es hoppelt, es gibt in der Mitte zwischen 2 Spuren nur ein Stück Wiese und keine Leitplanke. Hier ist sehr viel Platz.
Irgendwann beginnt die Stadt. Je näher die Stadt umso besser die Straße. Autos fahren auf dieser nur sehr wenige. Wir erreichen das Hotel Krasnojarsk, ein wenig schöner Klotz aber aus den Zimmern hat man einen tollen Blick auf den Jennisej und die dahinter liegenden Berge. Es dauert eine Weile bis wir unsere Tageszimmer haben, dann gibt es auch noch etwas Probleme denn Erika und Simone haben ein Zimmer mit nur einem Bett und es ist mit meinen fantastischen Russischkenntnissen etwas schwierig das Problem zu erklären. Irgendwann haben dann auch die Beiden das richtige Zimmer und wir treffen uns zum Frühstück. Es gibt Blinis und alle möglichen anderen pastetenähnlichen Dinge wie gebratenen Eierstich, eine Art Gemüsekuchen und etwas was wie Quarkkuchen aussieht und auch ein bisschen süß schmeckt. Bockwurst gab es auch, von der hatte mir Astrid schon erzählt. Jedenfalls werden alle satt und nun haben wir etwas Zeit zum Schlafen. Dafür sind ja die Tageszimmer da.
Gegen 13 Uhr treffen wir uns in der Lobby, Erika und Simone müssen wir erst wecken. Wir statten uns mit Regenschirmen aus denn es schüttet und werden von Galina begrüßt die uns auf der 6-stündigen Stadtführung zu Fuß begleitet. Wir beginnen gleich vor dem Haus am Theater und einer schönen Brunnenanlage an einem großen Platz vor dem Hotel der bis zum Jenissej hinab führt. Es hört auf zu regnen und wir laufen am Ufer entlang bis zum Theater.
Krasnojarsk wurde 1628 gegründet und hat heute ca. 900 000 Einwohner. Die Stadt liegt am Ufer des Jenissej und wird geprägt von einer 1899 erbauten Eisenbahnbrücke über den Fluss die ein Meisterwerk der Ingenieurkunst ist. Sie ist auch auf dem 10 Rubel Schein abgebildet.
Eine wunderbare Landschaft, der majestätische Fluss (4- längste Fluss in Russland) der hier um ein vielfaches breiter als Neckar und Saale zusammen ist und die Gebirgskette im Hintergrund. Krasnojarsk ist eine interessante Stadt. Nicht nur die vielen verschiedenen Architekturstile, die alten Holzhäuser und das hervorragende Heimatmuseum machen Krasnojarsk zu einer der sehenswertesten Städte entlang der Strecke. Seit 2000 wurden hier über 200 Brunnen gebaut und zahlreiche Parkbänke aufgestellt. Man hat wirklich viel gemacht um das Zentrum aufzuwerten.
Wir haben einen Begleiter der den Eindruck macht, als würde er unsere Reiseleiterin und uns bespitzeln. Wahrscheinlich ist ihm einfach langweilig und er läuft mit uns mit.
Wir gehen nun ins Nationalmuseum und das ist wirklich toll gemacht. Auf 3 Etagen ist die Geschichte der Region dargestellt. Es geht los bei den Urmenschen und endet im Jetzt. Die Region Krasnojarsk streckt sich auf eine Entfernung von 4000 km. Das sind Dimensionen die schwer vorstellbar sind. Die Tundra und die Taiga incl. Tierwelt sind dargestellt und auch alle Nationalitäten die es hier gibt. Nun sind wir nach 4 Stunden zu Fuß unterwegs doch etwas durstig und lassen uns am Ufer des Jenissej nieder. Wir essen Blinis mit saurer Sahne und trinken unser erstes Bier. Auf das haben wir uns schon ewig gefreut.



Es geht uns gut und es gibt viel zu lachen. So gibt es zum Beispiel Kuchen mit Flugsahne. Als Erste hat Erika das Gesicht und den Jackenärmel voll Puderzucker und Sahne vom Kuchen unserer Reiseleiterin und dann hat Volkmar Sahne von seinem Kuchen am Ärmel. Keiner weiß wie es dahin gekommen ist, also Flugsahne.
Nun laufen wir weiter, die Friedensallee entlang, den Leninprospekt und die Karl-Marx-Straße – alles Hauptstraßen der Stadt mit Bebauung zum Teil aus dem vorigen Jahrhundert. Irgendwann machen wir bei Lenin kehrt und dürfen noch in den Supermarkt der heute zum Sonntag auf hat. Hier decken wir uns mit Wodka und Wasser ein, wer weiß was wir alles für unsere erste Fahrt mit der Transsib brauchen.
Zurück im Hotel geht es gleich wieder los, wir laufen zum Ufer. Auf dem Platz vor dem Hotel herrscht buntes Treiben. Eine Lifeband spielt Musik und es tanzen Leute Ü70 dazu. Wir gönnen uns Schaschlik und Kartoffeln vom Grill und ein Bier und genießen die Abendsonne am Jenissej.

Es gibt wieder viel zu lachen, Carina präsentiert einiges aus ihrem Repertoire und verjagt Blumenverkäuferinnen mit einem lustigen Kauderwelsch. Mir kommen die Tränen vor Lachen und die Bauchmuskeln haben Stress. Dann gehen wir zurück ins Hotel und sortieren unsere Sachen, halb Zwölf werden wir abgeholt und zum Bahnhof gebracht. Hier kämpfen wir mit unseren Koffern denn es geht Treppe auf und ab und nirgends ein Aufzug oder eine Schieberampe. Dann finden wir den Zug und bringen die Schaffner mit unseren Fahrkarten durcheinander. Man will gleich alle einkassieren und da man es nicht versteht bildet man einen Arbeitskreis aus 3 Schlafwaggonschaffnern um zu beraten. Irgendwann haben sie es begriffen und wir bekommen unsere beiden Abteile zugewiesen. Dann beginnt erst mal das Chaos. Unser riesiges Gepäck passt nicht unter die Liege, der Waggonschaffner hat nicht wirklich Lust zu helfen, kommt aber dann doch auf die Idee, die Koffer in die Ablage nach oben zu räumen. Nun liegen nur noch lauter Rucksäcke und irgendwelche Matratzen herum und wir versuchen uns und unser Gepäck zu sortieren. Volkmar springt durch den Gang und jubelt: „Leute wir sind wirklich in der Transsib- ich kann es kaum glauben“. Ich habe mich auf eine Liege nach oben verzogen und versuche nun unter mir das Bett zu richten. Zunächst die Matratze, dann die Bettlaken. Die Decke wird in die Kiste unter die unteren Liegen sortiert. Erika wohnt auf der Liege neben mir und zeigt, was sie alles mitgebracht hat. Abdichtband, 3 Fensterreinigungsschwämme, feuchte Mehrzwecktücher, und Einweghandschuhe alles wurde im Reiseführer empfohlen. Dieter hat Karabinerhaken, Kabelbinder und Packband mit, wir sind auf das Leben hier vorbereitet und haben natürlich schon wieder sehr viel Spaß.




Es ist nach Mitternacht und ob die anderen Menschen in diesem Waggon um 1 Uhr in der Nacht genauso viel Spaß an unserem Lärmen haben, wage ich zu bezweifeln.
Der Zug setzt sich dann pünktlich in Bewegung, nun geht es los.


05. Juli

Ankunft in Taischet um 08.54 Uhr, Transfer in das Dorf Birjusa (ca. 12 km) zu einem typisch sibirischen Holzhaus. Typischer sibirisch geht`s nicht! Da es im Dorf kein Restaurant gibt inkl. aller Mahlzeiten beginnend mit einem Frühstück in der Gastfamilie. Spaziergang durch das Dorf in Begleitung eines englischsprachigen Einheimischen.






Hier wird es ja erst Mitternacht dunkel und 4 Uhr wieder hell. Gegen 6 Uhr wache ich auf, Simone und Dieter sitzen schon auf ihren Liegen und bestaunen die sibirische Steppe. Birken, Fichten, Wiese und ab und zu ein sibirisches Holzhaus. Viel mehr gibt es hier nicht. Wieder Hektik denn der Zugführer erscheint und erklärt, dass der Zug in 20 Minuten in Taischet ankommt. Gut dass wir schon angezogen sind. Wir hatten keine Ahnung, dass es noch einmal eine Stunde später ist. Was nun, Wie geht es weiter? Da steht plötzlich ein junger Mann vor uns und stellt sich vor als Alexej. Wieder schleppen wir unsere Koffer die 10 000 Stufen hoch und wieder runter und steigen in 2 PKW.

Die Schwester von Alexej ist auch da und Rainer und Carina werden zur Oma ins Haus gebracht, ein Holzhaus mit lauter Vorhängen anstelle der Türen. Wir werden mit zu Alexej genommen, hier kochen seine Frau und seine Schwiegermutter Valentina und es gibt ganz viele Blumen. 2 kleine Häuschen, beide aus Holz und bunt. Wir beziehen das andere Häuschen. Sylvi und Volkmar das Schlafzimmer, Erika und Simone bekommen so etwas wie ein Kinderzimmer und Dieter und ich dürfen im Wohnzimmer schlafen.









Wo die ganze Familie wohnt ist uns ein Rätsel. Jedenfalls dürfen wir nun in der Küche Platz nehmen, ein leckeres Frühstück steht vor uns. 2 Spiegeleier total gelb und lecker, eine Tomate gefüllt mit Knoblauch, Mayonnaise und geriebenen Käse, gebratene Wurst alles garniert mit Salat, Gurken und Dill. Außerdem leckerer selbst gemachter Quark oder Hüttenkäse mit Himbeeren. Selbst die Butter ist selbst gemacht. Es schmeckt alles gut. Dazu gibt es Tee. Wir sind zufrieden.
Irgendwann steht Galina vor uns , die Einheimische die uns heute auf Englisch durch das Dorf führt. Ist sehr sibirisch hier. Es gibt nur 2 Monate Sommer, die Winter sind unglaublich hart und im Frühling sind es dann nur noch -25 Grad Kälte. Die Menschen sind sehr arm und kämpfen wohl teilweise ums Überleben. Auch bei unserer Gastfamilie wird alles im Garten selbst angebaut.
Für Galina gibt es 3 Zeitrechnungen – Stalinzeit, vor Perestroika und nach Perestroika. Interessanterweise hat die Führerin von gestern Fragen zur Vorperestroikazeit nur ungern beantwortet während bei Galina zu spüren ist, dass diese Zeit besser war als die Zeit jetzt. Die Menschen hatten hier alle einen Arbeitsplatz und Geld, allerdings gab es nichts zu kaufen. Jetzt sind sie ohne Arbeit, es gibt alles zu kaufen, aber sie haben kein Geld. Es gibt viele Häuser die recht ärmlich aussehen und nur wenige mit frischer Farbe. Trotzdem hat auch dieser Ort eine gewisse Ausstrahlung. An einer ehemaligen Brücke über den Fluss erzählt uns die Begleiterin, dass sie irgendwann eingefallen und Geld für eine neue Brücke nicht mehr da ist. Wir sehen uns die Schule an und ein Kinderheim. Ein interessanter Rundgang. Am Ende besichtigen wir das Zimmer von Carina und laufen zurück zur Gastfamilie. Hier sitzen wir noch ein wenig im Garten und dann ist aufgetischt. Es gibt Pelmenis mit typischer russischer saurer Sahne, Möhrensalat mit einer Menge Knoblauch. Der schmeckt total lecker. Außerdem gibt es mit Liebe belegte Häppchen mit Quark, Gurke und Dill und wieder die leckere Butter und Marmelade. Es fehlt uns an nichts.



Dann drängt Alexej, er will uns zum Markt nach Taischet bringen. Dahin bringt er uns auch, allerdings hatte ich etwas andere Vorstellungen vom Markt. Es war eine Art Supermarkt mit verschiedenen Geschäften. Also gehen wir erstmal zur Bank und tauschen Geld. Alles steht Spalier und ich darf nach vorn in ein Kämmerchen. Ich halte mein Geld hin und sie versteht . Dann bekomme ich jede Menge Rubel und darf wieder gehen. Unser Besuch auf dem Textilmarkt ist auch nicht sonderlich erbaulich und wir sind froh, dass wir bereits nach einer Stunde wieder abgeholt werden.
Wir lassen uns im Garten bei der Gastfamilie nieder und spielen mit dem kleinen Artem. Er ist 3 Jahre und ziemlich temperamentvoll. Ich erlebe dann russische Gastlichkeit. Er schenkt mir einen Riegel Kinderschokolade und besteht darauf, dass ich ihn esse. Ich gebe Sylvi die Hälfte ab und er kommt dann und leckt den Rest aus dem Papier.
Ich muss mit in die Sandkiste und Kuchen backen. Irgendwann wird zum Abendbrot gerufen. Es gibt Kartoffelbrei und Rindfleisch , dazu gibt es Kwas (Birkensaft und Honig). Es schmeckt alles sehr gut. Man bewirtet uns wirklich sehr gut. Alexej hat eingeheizt und wir erleben nun eine echte sibirische Banja. Ein Raum mit einem alten Ofen und eine Holzliege. Der Ofen macht jede Menge Hitze und warmes Wasser. Man legt sich nackt auf die Liege und Tanja schlägt mit frischen Birkenzweigen auf die nackte Haut. Rumdrehen, weiter schlagen. Es ist sehr heiß und die Durchblutung kommt in Gang. Ein Erlebnis der besonderen Art. Nach dem Abendbrot sitzen wir vor dem Haus und trinken Rotwein, die Männer trinken Bier und der Whiskey macht auch die Runde. Gegen 23 Uhr gehen wir ins Bett. Es dauert nicht lange und wir sind im Traumland.


6. Juli

Fahrt nach Taischet zum Markt und begleiteter Taigabootsausflug auf der Birjusa durch unberührte Natur. Abends Transfer zum Bahnhof und Abfahrt von Taischet nach Irkutsk um 23.30 Uhr mit Zug Nr. 87 (Waggon Nr. 26, Betten Nr. 9 bis 16). Hinweis: Sie bekommen ein Frühstückspicknick von Ihrer Gastfamilie, da der Zug keinen Speisewagen hat und Sie relativ spät in Irkutsk ankommen.
Die Nacht war ok, ich bin irgendwann gegen 2 Uhr durch den Garten auf das Plumsklo. Hier gibt es keine Abwasserkanäle und wo das Wasser her kommt ist mir auch völlig unklar. Plötzlich stürmt Sylvi durch das Zimmer mit der Feststellung, wir hätten alle verschlafen. Es stimmt, wir sollten 9 Uhr zum Frühstück kommen und es ist zehn nach Neun, nur Erika und Simone waren pünktlich.






Also springen wir aus den Betten, laufen am Wasserhahn vorbei und zum Frühstück. Es gibt dunkelgelbes Rührei und gebackene Teile die wie Piroggen aussehen aber noch anders heißen, dazu saure Sahne und die selbst gemachte Marmelade, einfach eine Wucht. Auch das Brot ist ausgezeichnet und schmeckt mit selbst gemachter Butter und Salz ganz hervorragend. Außerdem gibt es Obstsalat mit Sahne und es ist einfach gut.
Nun genießen wir ein wenig die Ruhe hier. Halb Zwölf läuft Andrej mit uns zum Fluss und dort kommt ein eingemummelter Typ mit Blechboot.
Wenig später kommt die Verpflegung und wird im Bootsbauch verstaut und irgendwann kommt ein weiteres Boot und wir fahren, immer 4 Personen im Boot, über die Birjusa bis zu einem Picknickplatz. Schwimmwesten gibt es übrigens nur für 2 Personen, es wird schon schief gehen. Da unser Boot etwas schwach auf der Brust ist, kommt James zurück und Dieter und ich steigen auf dem Wasser von einem Boot in das andere Boot und dann fliegen wir über das Wasser. Eine schöne Landschaft. Hier bekommen die Frauen Aufgaben, die Männer bewachen uns. Carina und Sylvi fahren mit James von der Quelle Wasser holen, Simone und ich helfen beim Kartoffeln schälen und auch bei den Salaten helfen alle mit. Über dem offenen Feuer wird in einer Milchkanne Wasser gekocht und die Kartoffeln und Kräuter werden darin versenkt. Irgendwann ist alles fertig und die Suppe wird mit Mayonnaise serviert. Sie schmeckt sehr gut, auch die Salate und wieder das leckere Brot.

Da sitzen wir nun, 6500 km von Deutschland und noch 5000 km bis Wladiwostok mitten in der Taiga und genießen Sibirien. Es sind lt. Dieters Thermometer 34 Grad.




Abschließend gibt es noch Tee aus dem Teereimer. James holt aus dem Wald Blätter von der schwarzen Johannisbeere und wirft die in den Eimer. Dann kommt eine Hand voll schwarzer Tee in den Eimer und alles wird über dem Feuer gekocht. Der Tee ist eine Wucht. Schmeckt toll und riecht wie schwarze Johannisbeere.
Nun geht es auf Wanderschaft. Wir können wählen zwischen Sauna oder Mücken. Also ich wähle Sauna, das heißt ich ziehe noch meine Regenjacke an, die lange Jeans habe ich ja schon an. Dann bekommen wir alle noch einen Imkerhut und sehen aus wie die Außerirdischen. Man braucht es aber auch. Wir fahren noch ein Stück mit dem Boot und als wir aussteigen fallen auch schon die Mücken in allen Größen über uns her. Es ist unglaublich. Dann kraxeln wir einen steilen und unwegsamen Weg nach oben und beginnen eine Wanderung durch eine faszinierende Landschaft. Wir haben tolle Ausblicke auf den Fluss und die Birkenwälder und laufen vorbei an üppig blühenden Wiesen. Teilweise sind wir bis zum Bauch im Gestrüpp verschwunden. Der Weg ist nicht sehr gut denn es liegen lauter Stämme und Äste auf dem Weg die von Gras überwuchert sind. Man sieht sie kaum und sie rollen unter einem weg. Es ist aber trotzdem sehr schön und wir genießen. Jeder in Deutschland der Sibirien gehört hat, hat dieses Land mit Kälte verbunden, es ist aber ganz und gar nicht so. Wir schwitzen ganz ordentlich und irgendwann sind wir wieder an den Booten und werden zurück gefahren. Auch diesmal ist wieder Umsteigen auf dem Wasser angesagt.



Zurück bei der Gastfamilie geht es in die Sommerdusche, wir haben es alle nötig. Sommerdusche ist so: ein paar Bretter zusammen genagelt und mit Wachstuch ausgekleidet. Auf dem Dach eine schwarze Tonne und unter dem Dach die Tülle einer Gießkanne. Wenn die Sonne lange geschienen hat, ist das Wasser warm, wenn nicht, ist es eben etwas kälter. Wenn man sich dann ausgezogen hat, sollte man ganz schnell sein, denn die Mücken sind es auch. Ist jedenfalls sehr interessant. Wie Donnerbalken und Sommerdusche im sibirischen Winter bei 40 Grad Kälte gehen ist mir nicht klar.
Dann hat Valentina wieder ein köstliches Essen gezaubert. Es gibt einen Reistopf, wieder Brot vom Feinsten und Piroggen mit 2 verschiedenen Marmeladensorten. Man wird wohl irgendwann platzen. Dazu gibt es wieder Kwas. Nun ist relaxen angesagt. Wir fahren ja heute Nacht 23.30 Uhr erst weiter. Also genießen wir die Sonne und die Ruhe und kämpfen mit den Mücken. 22.30 Uhr fahren Alexej und James uns dann zum Bahnhof. Diesmal gehen wir über die Gleise und müssen die Koffer nicht die Treppen schleppen. Unser Wagen ist gleich der Erste hinter der Lok. Das scheint eine Luxusausführung von Zug zu sein. Die Koffer passen bis auf einen unter die Bank.
Nachdem alles sortiert ist (es geht schon viel schneller als das erste Mal), stoßen wir auf Erikas Sohn an, der eine Antrittsvorlesung als Privatdozent gehalten hat und anschließend auf Erika, die seit einigen Minuten Geburtstag hat. Wir bereiten ihr einen Geburtstagstisch mit Kerze und russischer Geburtstagskarte. Als Geschenk bekommt sie von uns allen einen Gutschein für ein italienisches Weinmenü für 2 Personen im Gasthof im Nachbardorf. Sie war mit Sylvi heute in unserem sibirischen Dorf noch einkaufen und erzählt wie entsetzt die Verkäuferin war, als sie 2 Flaschen Rotwein, eine große Flasche Bier und eine Flasche Wodka kauften. Gegen 1 Uhr gehen wir dann in unsere „Betten“.


07. Juli

Nicht am Bahnhof 'Irkutsk Sort.' aussteigen!) Ankunft in Irkutsk um 09.56 Uhr. Fahrt nach Listwjanka mit Fotostopps u.a. an einem sehenswerten Museumsdorf (Eintrittsgebühren sind nicht im Preis enthalten), Unterkunft in einer Privatpension.
Dieter sucht die Dusche die angeblich im Zug ist und wird nicht fündig. Simone meint: den Gang hinter, links ist das Klo und gerade aus geht es in die Dusche. Dieter geht und kommt zurück: „Gerade aus geht es nicht zur Dusche, da geht es zur Lok.“ Also keine Dusche am Morgen. Frühstück haben wir ja noch mitbekommen, ein belegtes Brötchen. Wir steigen aus und werden schon von Tatjana begrüßt. Sie bringt unseren Fahrschein für die Fähre und die historische Strecke der Transsib direkt am Baikalsee entlang. Dann bringt sie uns zu Igor ohne Zähne aber er hat einen kleinen Bus und das ist wichtig. Darin verstaut er unser ganzes Gepäck. Vor dem Bahnhof ist ein riesiges Gewühle. Es ist ja wohl eine Millionen Stadt. Nun fährt Igor uns zu einem Museumsdorf. Hier sind alle möglichen sibirischen Holzhäuser ausgestellt - eingebettet ist alles in einem schönen Birkenwald und wir laufen bis zur Angagra, einem Fluss so breit wie ein riesiger See. Es ist sehr beeindruckend und wunderschön hier. Die Dimensionen kann man kaum erfassen.



Dann gehen wir zurück und Igor bringt uns zu einer Pension nach Listwianka. Das einstmals romantisch verträumte Fischerdörfchen am Abfluss der Angara hat sich in den letzten Jahren zum Ausflugsziel Nr. 1 Am Baikalsee entwickelt. Ein Haus aus Holz, direkt an der Straße und mit Blick auf den Baikalsee. Die Aussicht ist genial, die Zimmer haben die Größe einer Kabine der Transsib. Man weiß nicht, wo man die Koffer hinstellen soll. Irgendwann werde ich Platzangst bekommen.

Wir ziehen gleich wieder los in ein Kaffee und essen Mittag. Pelmeni oder Gulasch mit Kartoffeln, es gibt für jeden etwas und schmeckt sehr gut. Dann wandern wir durch den Ort zum Hafen und versuchen heraus zu finden, wo der Anleger für die Fähre ist, es gelingt uns aber nicht. Zurück in der Pension sortieren wir uns neu und die Chefin des Hauses hat für uns gekocht. Es gibt Kartoffeln und Omul, einen Fisch aus dem Baikalsee. Dazu Tomate, Obst und Apfel und zum Abschluss Tee. Irgendwann gehen wir dann ins Bett und schlafen.


08. Juli

Frühstück in der Unterkunft. Transfer zur Fähre. Mit der Fähre setzt man über von Listwjanka nach Port Baikal. Hier beginnt um 11.15 Uhr die Zugfahrt auf der von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklarierten alten Bahntrasse direkt am Seeufer entlang. Mittagessen im Zug. Zwischendurch wird immer wieder angehalten und man hat die Möglichkeit auszusteigen und zu fotografieren. Gegen 18.00 Uhr ist das Ende der historischen Bahngleise in Sludjanka erreicht. Abfahrt von Sludjanka nach Ulan Bator um 00.21 Uhr mit Zug Nr. 362 (Waggon Nr. 10, Betten Nr. 21 bis 28). Hinweis: Dieser Zug hat keinen Speisewagen. Man findet an der russisch-mongolisch Grenze in Nauschki, wo der Zug mehrere Stunden Aufenthalt hat, auf eine dem Bahnhof direkt gegenüberliegenden kleinen Markt Lebensmittel.
Die Nacht war ok. Es gibt für 10 Zimmer eine Toilette und eine Dusche aber irgendwie arrangieren wir
uns. Wir treffen uns alle zum Frühstück, das ist allerdings nicht zu vergleichen mit dem von Valentina.

Wir werden aber satt. Nun schleppen wir 21 kg Koffer, 10kg Rucksack und 4 kg Fototasche ca 2 km von der Pension bis zur Anlegestelle. Stress aber freiwilliger Stress.

Irgendwann kommt die Fähre nach Port Baikal und wir steigen aufs Boot und fahren ca. 30 Minuten bis zum anderen Ufer. Hier treffen wir auf die andere Gruppe von Knop die mit Sergej unterwegs ist, dem Mann von Frau Knop. Auch hier müssen wir wieder mit vollem Gepäck zum Zug marschieren. Er steht schon da und wir steigen ein. Ein sehr moderner Zug und wir dürfen in Wagen 1 einsteigen und sitzen alle zusammen auf der richtigen Seite (zum See). 1. Klasse mit sehr schönen Polstersitzen.

Die Baikalbahn führt durch 39 Tunnel über 352 Brücken, 18 Galerien, zahlreiche Stützkonstruktionen und vorbei an ehemals 300 Bahnhofsgebäuden. Nicht nur Eisenbahnliebhaber oder architektonisch Interessierte sondern auch solche Menschen, die einfach nur Natur genießen wollen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Sie ist ein Kleinod der Ingenieurskunst und 84 km lang. 11.45 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Man kann die Fahrt nur ganz schlecht beschreiben, man muss es erleben. Diese Strecke ist zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und wird nur noch für touristische Zwecke genutzt. Die Strecke führt bis Sludjanka immer an der Steilküste entlang mit Blick auf den See. Am anderen Ufer zieht sich im Dunst eine Bergkette entlang und es sieht richtig mystisch aus. Eine herrliche Blumenvielfalt, idyllische Dörfer in grünen Taleinschnitten und dem Ufer mit blaugrün leuchtendem unglaublich klarem Wasser, es ist beeindruckend. Mit blauem Himmel würde alles vermutlich noch viel schöner aussehen aber es ist auch so sehr beeindruckend. Immer wieder hält der Zug an und wir können aussteigen und die Gegend genießen. Immer den Blick auf den See und der strahlt eine unglaubliche Weite und Ruhe aus. Wir sind 8 Stunden unterwegs und es ist keinen Moment langweilig. Zwischendurch dürfen wir ein Stück laufen, als wir wieder einsteigen ist das Mittag gerichtet. Es gibt paniertes Hühnchen mit Reis, Tomate und Gurke und als Nachtisch ein Blätterteigteilchen mit Marmelade, einen Apfel und Nescafé und alles schmeckt gut. Draußen ziehen der Baikalsee und die Gebirgskette an uns vorbei, ab und zu stehen ein paar sibirische Hütten. Straßen gibt es hier nicht. Die Leute sind entweder per Zug (und der fährt ja nur ganz selten) oder dann im Winter über das Eis des zugefrorenen Baikalsees zu erreichen. Es sieht alles schön aus aber wirklich leben möchte hier keiner von uns. Die Landschaft und dieses Kleinod der Ingenieurskunst sind mehr als beeindruckend. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 20 bis 30 km, manchmal kann man nebenher laufen. Nach 8 Stunden sind wir in Sludjanka.





Auf dem Bahnsteig werden wir von Nikolai in Empfang genommen. Sergej muss zurück nach Deutschland und Nikolai soll dafür sorgen, dass wir im richtigen Zug landen Er setzt uns alle in die Bahnhofshalle und wir haben 4 Stunden Zeit. Wir nutzen diese um uns mit Lebensmittel einzudecken und essen Abendbrot. Es gibt Fleischkäse und Brot und dazu ein kühles Bier. Die Zeit vergeht auch und Nikolai kommt eine Stunde vor Zugabfahrt zurück und wir müssen wieder mit den gesamten Kilos die entsetzlich vielen Stufen hoch, über die Brücke und wieder runter. Auf dem Bahnsteig singen wir das Geburtstagsständchen für Dieter, dann kommt der Zug. Wir hatten gehofft, dass eine Waggonausführung kommt, wie zwischen Taischet und Irkutsk. Nun lernen wir die chinesische Variante der Tanssib-Wagen kennen. Eine Nobelausführung, allerdings für kleine Chinesen, also alles noch enger und kürzer. Die Bezüge mit hellblauem Samt, ein Fernseher, kleine Regale über den Liegen. Die Liegen sind aber nur noch 50 cm breit und irgendwie auch kürzer.



Es dauert eine Weile bis wir uns sortiert haben, irgendwann passt es. Dann kommt die Waggondame und verteilt Bettwäsche im Geschirrtuchlook und wir müssen wieder unter uns das Bett beziehen ohne es zu verlassen. Dann wird der Geburtstagstisch gedeckt. Dieter bekommt eine 5 Liter-Flasche Bier, eine Flasche Kwas, 2 Tüten Chips, Gutscheine für Weinvilla und Elsass, T-Shirt, Gummibärchen, ein Transsib-Lesebuch und ein anderes kleines Buch. Wir stoßen mit einem Wodka an und köpfen die 5-Liter Flasche Bier. Erika hat eine riesige Tasse und Simone meint, da kann man Goldfische drin aussetzten. Wir haben sehr viel Spaß und schaffen die 5 Liter. Gegen halb Drei gehen wir dann in die Waagerechte und schlafen im Takt der Schienenstöße ein.


09. Juni – Dieter hat Geburtstag

Im Zug



Gegen 10.30 wachen wir wieder auf, alle haben gut geschlafen. Nun suchen wir Bad und WC und machen uns Tee. Dazu gibt es Brot und Käse und Tomate und Gurke. Wir lassen es uns gut gehen. Der Zug fährt uns am Baikalsee entlang und biegt dann irgendwann ab in Richtung mongolischer Grenze. Gegen 13. 30 Uhr erreichen wir Nauschki den Grenzort. Die Toiletten sind nun für 7 Stunden abgesperrt. Wir kaufen an einem Bretterverschlag Süßigkeiten und Getränke, glücklicherweise gibt es hier ein Stehklo für 8 Rubel und eine freundliche Klofrau. 16 Uhr müssen wir wieder im Zug erscheinen, die Grenzkontrollen nahen. Als erstes erscheint eine Frau mit einer roten Schürze, Schürzen haben hier alle an. Die Waggon - Begleiterin hat eine in Blau an. Die rot bekittelte Dame kontrolliert unsere Pässe , dann passiert erstmal nichts. Wir haben lange Einreisezettel ausfüllen müssen und aufschreiben wie viel Geld und elektronische Geräte wir dabei haben. Mal sehen was da nun noch kommt.
Über 8 Stunden werden wir dann an der Grenze hin und her geschoben. Wir bekommen immer neue Formulare zum Ausfüllen. 8 Stunden darf das Klo im Zug nicht benutzt werden. In regelmäßigen Abständen kommen irgendwelche Leute vorbei und schauen böse drein und wollen die einzelnen Zettel wieder. Die Pässe werden auf russischer Seite und dann auch auf mongolischer Seite stundenlang einkassiert. Draußen laufen Suchhunde am Zug entlang, innen wird mit Taschenlampe in jeden Hohlraum gesehen, Rainer muss seine Tasche auspacken. Irgendwie kommen Erinnerungen hoch. In der Mongolei stehen dann jede Menge Soldaten entlang dem Zug und eskortieren ihn. Ist schon alles sehr gewöhnungsbedürftig. Insgesamt sind wir diesmal 30 Stunden im Zug unterwegs. Glücklicherweise war es bewölkt und nicht zu warm. Eine Lüftung war nicht eingeschaltet, die scheint es gar nicht zu geben. Die Fenster wurden immer wieder zu gemacht, wir machen sie immer wieder auf.



Neben uns in den Abteilen wohnen lauter junge Leute aus ganz Europa, aus der Schweiz, aus Holland, aus Dänemark, fast alles Globetrotter. Nach 8 ½ Stunden setzt sich der Zug in Suche Bator dann endlich wieder in Bewegung und es ziehen die ersten Jurten an uns vorbei. Die Mongolei – wir sind schon sehr gespannt.


10. Juli

Ankunft in Ulan Bator um 06.10 Uhr, Transfer zum Hotel Karakorum. Frühstück im Hotel (ist im Preis enthalten). Ganzer Tag Programm in Ulan Bator (inkl. Eintrittsgebühren) beginnend mit dem Gandan Kloster, wo zwischen 09.00 und 11.00 Uhr interessante Zeremonien stattfinden. Abends Besuch einer hervorragenden Folkloredarbietung (Eintrittsgebühren und Transfers sind im Preis enthalten).



Am Morgen weckt uns die freundliche Waggongbegleiterin und wir springen in unsere Sachen. Dann stehen wir am Fenster und lassen die Mongolei an uns vorüber ziehen. Grassteppe und Jurten, Ziegenherden und neben jeder Jurte ein Auto. Wir befinden uns mittlerweile auf 1600 Meter Höhe und die beiden Loks haben ganz schön zu tun. Der Zug besteht nun aus fast 30 Wagen, ein Teil davon muss an der Grenze angehängt worden sein. Bevor man uns in den Bahnhof von Ulan Bator hereinlässt müssen wir noch einmal eine ganze Weile warten. Nun sind wir nach 33 Stunden in der Transsib (das ist die zeitmäßig längste Strecke) endlich angekommen. Man muss schon gruppentauglich sein um so etwas mit 4 Personen auf 3 qm auszuhalten.
Hier in Ulan-Bator werden wir von Otnoo begrüßt, sie spricht sehr gut Deutsch und es stellt sich heraus, dass sie eine Weile im Porzellanwerk in Kahla gearbeitet und in Neulobeda gewohnt hat. Sie macht einen patenten Eindruck und wird uns die ganze Zeit in der Mongolei begleiten. Nun werden wir in einen kleinen Bus und 2 PKW's verfrachtet und die bringen uns zum Hotel Diplomat. Die Fahrt ist beeindruckend. Man versteht das System nicht wirklich. Keine Straßenmarkierung, es wird sehr rasant gefahren und viel gehupt. Die Stadt besteht aus Plattenbauten auf der einen und Bretterbuden und Jurten auf der anderen Seite. Das Auto in dem Sylvi und Volkmar sitzen hat unterwegs eine Reifenpanne und kommen ein paar Minuten später.
Wir bekommen unsere Zimmer und sind positiv überrascht. Schöne große Zimmer mit vernünftigen Betten, bloß der Balkon sieht einsturzgefährdet aus. Es scheint auch recht ruhig zu sein hier. Jedenfalls genießen wir nun alle die Dusche und das warme Wasser bevor wir uns beim Frühstück wieder treffen. Es gibt ein gekochtes Ei, ungeröstetes Toastbrot, Butter, Marmelade und einen Toastburger mit Käse und Wurst aus Hammelfleisch. Wir werden satt und dann gehen wir gemeinsam los. Die Stadt ist ein totales Durcheinander an Gebäuden. Die Straßen und Nebenanlagen sehen alle so aus als seien sie noch nicht fertig. Überall fehlen Pflastersteine oder Dohlendeckel, riesige Absätze, man muss ständig nach unten sehen um nicht zu stolpern oder umzuknicken. Es geht durch die Slums und dann sind wir im Kloster Gandan, das größte aktive Kloster Ulan Bators. Es wurde 1838 gegründet. Der Baustil der Tempelanlage lässt deutlich die tibetische Wurzeln des mongolischen Buddhismus erkennen. Wir schlendern durch die Anlagen in denen zur Zeit die religiösen Zeremonien zu sehen sind. Wir bewundern junge und alte Lamas in ihren farbenprächtigen Gewändern und sehen den Menschen bei der Ausübung ihres Glaubens zu.
Nächste Station, das staatliche Kaufhaus, die Souvenierabteilung. Otno ist immer zur Stelle wenn man sie braucht. Aufmerksam ohne Ende. Hier kaufen wir T-Shirts und CD's mit mongolischer Musik. Dann decken wir uns in der Lebensmittelabteilung mit feuchten Tücher, Klopapier und Wodka ein. Nun sind wir gerüstet für die Wüste. Wir gehen in das Café Amsterdam. Hier werden sofort Tische für uns zusammengestellt, irgendwie fühlt man sich hier willkommener als in Russland. Alle sind bemüht und freundlich. Wir genießen ein Bier und Salat und fühlen uns einfach wohl.
Wir beobachten die Autos, es geht sehr hektisch und ungeordnet zu. Das Prinzip an Kreuzungen ist fast nicht zu durchschauen. Auch als Fußgänger ist es spannend über die Straße zu gehen. Am Besten funktioniert es wenn man die Augen zu macht und einfach los geht. Bei Grün ist es sehr gefährlich, also gehen wir lieber bei Rot.
Die Geschäfte und das Angebot scheinen wesentlich besser als in Russland. Allerdings liegen überall Sand- und Kieshaufen rum, Betonbruch und Baustellenreste, irgendwie chaotisch. Nun laufen wir weiter zur Post und holen Postkarten und Briefmarken. Super modern, auch hier. Dann gehen wir zum Irish Pub und reservieren für den Abend einen Tisch, Abenteuer Taxi: Otnoo will mit uns per Taxi zu einem Werksverkauf Kaschmir fahren. Sie schickt uns in Deckung und stellt sich an den Straßenrand und winkt. Das erste Auto hält an und Carina, Erika, Dieter und ich steigen ein. Der Fahrer fährt in rasantem Tempo, überholt rechts und links und ab und zu hält man die Luft an weil man einen fremden Kotflügel gleich neben dem eigenen Auto sieht. Volkmar und Erika schlagen im Werksverkauf zu, die anderen haben alle keine Lust zur Handwäsche. Es gibt sehr schöne Sachen und es ist gegenüber Deutschland auch sehr preiswert. Zurück ins Hotel geht es auch wieder im Taxi, es ist sehr interessant und lustig. Die anderen fahren mit 6 Personen in einem Taxi, Hier fährt man sowieso mit 10 bis 20 Personen in einem PKW. Die könnten alle zu 'Wetten dass'.
Nun dürfen wir uns doch tatsächlich 20 Minuten ausruhen und dann geht es wieder los zum Folkloreabend. Erika geht unterwegs verloren, wir finden uns aber wieder, müssen dann allerdings im strammen Schritt zur Arena. Man wartet wohl schon auf uns und wir nehmen unsere Plätze ein. Mit Sylvi und Carina sitze ich im Rang in der ersten Reihe und wir genießen die Vorstellung. Sehr schöne Musik, Tänze und farbenfrohe Kostüme. Ein schöner Abend.



Dann gehen wir in den Pub zum Abendbrot. Die Küche ist ausgezeichnet, das Bier schmeckt. Alle sind sehr zufrieden und wir freuen uns , dass wir hier sind.


11. Juli

Zu Fuß zum Suche Bator Platz (1300 m), wo die Eröffnungszeremonie des Nadaamfestes stattfindet und von wo aus Sie ins Stadion laufen, wo Sie Wettkämpfen beiwohnen. Um 19.30 Uhr Abendessen im Mongolian BBQ Restaurant (ist im Preis enthalten).
Wir treffen uns zum Frühstück, heute gibt es Spiegelei.
Nun laufen wir los zum Suche Bator Platz. Überall Autos mit Fahnen, die Leute in Feierstimmung. Heute beginnt das Naadam-Fest. Es wird in Erinnerung an die Revolution von 1921 jedes Jahr am 11. und 12. Juli gefeiert. Im Kern besteht das Fest aus 3 Veranstaltungen, dem Ringen, Reiten und Bogenschießen.
Die Sonne brennt auf unserem Weg zum Stadion und wir sind froh, als wir unseren Eingang 'C' endlich gefunden haben. Wir kommen kaum rein und müssen feststellen, dass man für diesen Block wohl doppelt so viel Karten verkauft hat wie Plätze sind. Wir stehen ganz vorn und es geht weder vorwärts noch zurück. Ich bin kurz vor der Platzangst. Der Reiseleiter einer holländischen Reisegruppe die in der ersten Reihe sitzt, wird fast handgreiflich. Er will immer die Polizei holen und als die ihm nicht helfen will, will er zum Außenminister gehen. Irgendwann wird er dann handgreiflich gegen die Polizei und das bekommt ihm nicht so gut. Die Leute in der ersten Reihe tun uns zwar leid, aber es gibt nirgends Platz. Dann beginnt die Zeremonie. Seit 1990 darf Tschings-Khan wieder verehrt werden. Sein Geburtsjahr ist nicht genau bekannt, die Angaben liegen zwischen 1155 und 1167. Er organisierte verschiedene Völkerstämme zu einer Einheit und begann eine Serie von Eroberungszügen. Im Jahr 1211 bestürmte er die große Mauer in China, dann erfolgten verschiedene Eroberungszüge bis ins Jahr 1224, und schuf das territorial größte Weltreich, das je existierte. Auch in der Ansprache des Präsidenten kommt es vor. Ein buntes Spektakel. Reiter, Gleitschirmflieger, Luftballons, traditionelle Musik, eine Parade der Sponsoren, es macht Spaß zuzusehen. Allerdings ist es anstrengend denn die Sonne brennt und wir können uns ja kaum bewegen. Nach 2 Stunden ist die Zeremonie vorbei und die Ringer ziehen ein und beginnen mit ihren Wettkämpfen. Da sind ganz schöne Schwabbels dabei. Wir gehen und es beginnt zu regnen. Wir laufen gen Hotel und in einem Pub lassen wir uns auf ein Bier und Spagetti Carbonara nieder. Dann laufen wir zum Hotel und dürfen ein bisschen Pause machen. Ich kopiere Fotos und schreibe Tagebuch.



Gegen 18.30 Uhr treffen wir uns wieder und laufen zum BBQ- Restaurant. Hier gibt es leckeres Essen. Man kann sich Frisches zusammenstellen und braten lassen und man kann auch verschiedene Speisen fertig kosten. Ein tolles Salatbuffet und ein Schokoladenbrunnen und leckeren Nachtisch. Man könnte essen ohne Ende, irgendwann sind wir aber satt.
Zurück im Hotel logge ich mich noch in mein gmx-Postfach ein und wir hören ein Feuerwerk, sehen tun wir leider nichts. Leider haben wir vom Bogenschießen wenig mitbekommen, allerdings bekommen wir die Ergebnisse der Fußballweltmeisterschaft mit. Deutschland wird gegen Uruguay Dritter, die Spanier gewinnen das Endspiel gegen Holland.


12. Juli

Fahrt zum berühmten Pferderennen. Anschließend Beginn einer viertägigen Rundfahrt. Sie haben Geländewagen mit Fahrer, Dolmetscher und Koch. Übernachtet wird in Jurten und in Zelten. An diesem Tag geht es auf einer mehr oder weniger guten Straße rund 375 km gen Südwesten nach Karakorum, der ehemaligen Hauptstadt Dschingkiskhans, Übernachtung in einer Jurte in einem Jurtencamp.
6 Uhr stehen wir auf. 7 Uhr gibt es Frühstück. Es ist überschaubar und im Anschluss werden die Autos gepackt. Wir haben einen Jeep und einen russischen Bus und ich staune, wie viel in einen solchen Bus passt. Gepäck, Essen und Trinken für 4 Tage, Stühle, Tische, Geschirr. Wir hatten uns ja gestern Abend noch mit Bier eingedeckt für die einsamen Abende in den Jurten. Erika, Volkmar und Sylvi sitzen im Jeep, Volkmar geht es nicht so besonders.

Wir nehmen die Köchin noch mit, sie ist jung und hat blaue Fingernägel. Carina und Dieter sitzen mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, da würde mir total schlecht werden.
Die Fahrt ist beeindruckend. Eigentlich ist die Straße zweispurig mit einer Spur in jede Richtung. Hier fahren aber mindestens 5 Autos nebeneinander. Der unbefestigte Seitenstreifen auf beiden Seiten wird auch genutzt. Man hat das Gefühl, dass alle mongolischen Autos in Richtung Pferderennen unterwegs sind. Irgendwann fällt der Köchin ein, dass wir den Wasserkanister vergessen haben und wir warten bis er kommt. Dann geht es weiter. Wir parken irgendwo in der Pampa und werden von Otnoo in Richtung der Reiter am Horizont geschickt. Irgendwie erreichen wir sie aber nicht und beschließen zurück zu gehen. Schade, denn ich hätte das Spektakel gern aus der Nähe gesehen. Dann fahren wir weiter. Die Landschaft – eine Grassteppe, ab und zu eine Jurte und sehr viele Pferde, Ziegen und Kühe und in der Ferne ab und zu Reiter. Irgendwie geht etwas Beruhigendes von dieser Gegend aus. Das Wetter wird besser und es wird sehr warm in unserem russischen Bus.
Irgendwann ist die Straße zu Ende und wir fahren durch die Pampa und es hoppelt. Wir werden so richtig durchgeschüttelt, nur Achterbahn fahren ist schöner.



Dann fahren wir zu einem Fluss und Otnoo bereitet uns ein Mittag. Sie haben alles dabei. Einen Tisch, Stühle incl. Tischdecke. Es ist beeindruckend, was in den Bus so alles rein passt. Wir bekommen Kaffee, Tee und dürfen den Augenblick genießen. Gekocht wird in einem Pappkarton im Kofferraum des Jeeps.




Dann wird serviert. Es gibt eine tolle Suppe aus Rindfleisch, Kartoffeln, Gemüse, Reis, dazu gibt es Brot, Kuchen und Äpfel. Was geht es uns doch gut.



Dann müssen wir weiter. Unsere 4 Begleiter sind ein eingespieltes Team und sind total flink. Es wird abgebaut und wir fahren weiter. Die mongolische Air-Condition ist sehr interessant. Eine Sprühflasche wie wir zum Bügeln benutzen und ab und zu wird zur Abkühlung gesprüht.



In Deutschland sind wohl schon über mehrere Tage fast 40 Grad und es soll so bleiben. Wir fahren weiter durch die Grassteppe und es ist irgendwie beruhigend und wunderschön. Irgendwann kommen wir in Karakorum an, unserem heutigen Ziel. Die Tempel sind allerdings schon zu und wir fahren zum Jurtencamp gleich nebenan. Es stehen etwa 10 Jurten da und 2 davon beziehen wir. Simone, Erika, Dieter und ich beziehen eine 5-Bett Jurte. Die Betten stehen rings herum aufgestellt, es gibt angeblich sogar eine Dusche.
Carina stellt fest: „Ich bin nicht auf Duschen eingestellt, ich habe genügend Spray mit.“ Wir setzen uns auf den Platz mitten im Camp und trinken Wodka, Bier und Otno kocht. Sie ruft und wir brauchen uns nur an den gedeckten Tisch setzten. Es ist unglaublich aber sie hat Buut gemacht, mongolische Maultaschen. Sie sind mit Rindfleisch gefüllt und machen sehr viel Arbeit. Dazu gibt es Tomaten-Gurkensalat und zum Nachtisch Ananas.



Nun unterhält uns ein Mongole mit Musik. Er singt und spielt verschiedene Instrumente. Es ist sehr unterhaltsam und die Zeit vergeht sehr schnell.



Von der Mongolei wissen wir recht wenig. Ein Land mit 2,5 Millionen Einwohner und 4,4 mal größer als Deutschland. 95 % sind Buddhisten und die Kasachen sind Muslime. Wir sind jedenfalls alle sehr positiv überrascht von diesem Land und den Mongolen.


13. Juli

Besuch des Erdenezuu Klosters und anderer Sehenswürdigkeiten. Anschließend geht es rund 80 km in Richtung Südwesten zum Orchon Wasserfall, Besuch einer Yakzüchterfamilie, Übernachtung in einer Nomadenjurte und Zelten.
Zunächst der Schlafsack, wir haben ja jeder für 25 Euro einen Schlafsack bekommen. Er ist hellgrün und sehr figurbetont. Ich verpacke mich zur Mumie, schließlich ist es ein Mumienschlafsack. Mein erster Versuch mich umzudrehen endete fast eine Etage tiefer. Die Pritsche ist verdammt eng. Ich fange mich gerade noch auf. Gegen 6 Uhr klingelt der Wecker - das Frühstück versöhnt uns aber alle. Otnoo hat diesmal im Zelt gedeckt. Sie hat Brot für uns gebacken, es gibt Käse, Salami, Heidelbeermarmelade, Honig, Nutella und Kuchen. Ein super Frühstück.





Irgendwann packen wir die Autos und fahren los. Erstes Ziel, zwei Schildkröten aus Stein. Die eine auf einem Berg mit tollem Blick und die andere mit einem steinernen Penis.
Karakorum wurde im Jahr 1220 von Tschingis-Khan gegründet und war 32 Jahre lang Hauptstadt des mongolischen Großreiches. Die Stadt liegt direkt am Ufer des Flusses Orchon. Die Stadt wurde 1371 von einem chinesischen Heer ausgelöscht. Seit Ende der 40 iger Jahre gibt es Ausgrabungen, die von russischen und deutschen Forschern unterstützt werden. 1990 erklärte die UNESCO das Palastgelände zum Weltkulturerbe. Nun fahren wir zu einem Tschingis-Khan-Monument. Hier ist als Mosaik das Weltreich Tschingis- Khans dargestellt. Rings herum Berge.

Das wichtigste Ausflugsziel ist das Erdenedsuu-Kloster, das im Jahr 1586 aus den Trümmern der zerstörten Hauptstadt als erstes großes lamaistisches Kloster der Mongolei errichtet wurde. Im Kloster sollen bis zu 10 000 Lamas gelebt haben. Ab 1941 war der Klosterbetrieb verboten und wurde 1990 im Rahmen der Perestroika wieder in Betrieb genommen. Hier führt uns ein englisch sprechender Guide. Uns werden die Bilder und Figuren erklärt.



Wir fahren weiter in Richtung Berge. Die Landschaft verändert sich ein wenig. Wiesen und ab und zu Bäume, die Berge werden schroffer. Die Straße ist nun unbefestigt und wir werden durchgeschüttelt ohne Ende. Eine Bandscheiben-Teststrecke. An einem kleinen Fluss lassen wir uns dann nieder und wandern ein Stück über die Wiese. Fliegende Grashüpfer schnurren uns um die Köpfe. Als wir zurück sind gibt es zunächst Kaffee und Tee, dann serviert Otnoo wieder eine super Suppe, dazu selbst gemachtes Brot aus einem Blätterteig. Wir genießen Sonne, Landschaft und Essen. Das Wetter wechselt heute ständig und ein Regenguss treibt uns in den Bus und zur Weiterreise. Mit vollem Magen wird man noch besser geschüttelt. Wir fahren direkt auf eine Regen- und Gewitterwand zu. Ab und zu machen wir einen Fotostopp, irgendwann regnet es Bindfäden und blitzt und donnert. Die unbefestigten Wege verwandeln sich in Rutschbahnen, unser Busfahrer ist aber einfach super.
Nach stundenlanger Fahrt kommen wir an einem Jurtencamp an. Otnoo erklärt uns, dass wir hier übernachten müssen, weil wir nicht mehr durch den Fluss fahren können. Er hat durch den Regen zu viel Wasser und es ist zu gefährlich.
Dann müssen wir feststellen, dass hier kein Platz mehr für uns ist. Also müssen wir doch durch den Fluss. Soviel Wodka kann ich gar nicht trinken dass ich das überstehe. Wir fahren durch den ersten Arm, das scheint kein Problem. Ich hatte ja im Reiseführer schon gelesen, wie das mit den Flussdurchquerungen ist. Man soll dann raus aus dem Auto, sich ausziehen und seine Sachen über dem Kopf durch den Fluss tragen und hoffen, dass man drüben ankommt.
Vor dem eigentlichen Fluss bleibt unser Fahrer stehen und runzelt die Stirn. Glücklicherweise hat er genug Wodka getrunken, macht den Allradantrieb an und bleibt auf dem Gas. Ich mache angesichts der Wassermassen nur noch die Augen zu. Soviel Abenteuer brauche ich dann doch nicht. Natürlich haben wir es geschafft, sonst könnte ich ja den Text nicht schreiben. Dann kommen wir an der Stelle an wo unsere Yak-Züchter Familie mit ihren Jurten wohnen sollen. Otno meint: unbekannt verzogen aber wir finden sie schon – es sind eben Nomaden. Ich denke kurz darüber nach wie man in dieser Gegend jemanden wieder finden soll. Aber wir vertrauen den Begleitern, was sollen wir auch anders tun.
Tatsächlich kommen wir irgendwann bei der Familie an, es ist unglaublich. Es regnet in Strömen aber es ist wunderbar hier. Die Jurten stehen direkt an einem Fluss und die Landschaft ist einfach nur faszinierend. Wiese, Steine, Berge, unendliche Weite, Herden von Ziegen, Pferden, Yaks und Kühen, ab und zu sind auch Kraniche zu sehen. Unterwegs haben wir schon sehr viele Raubvögel gesehen, Geier und Adler, es lagen auch genügend tote Tiere rechts und links neben der Straße. Das ist nicht so lecker. An einer Stelle war es dann grotesk. Die Geier waren so voll gefressen, dass sie nicht mehr starten können sondern zu Fuß unterwegs sind. Es war eine Art Geierstartbahn und die Startversuche endeten nach 5 Flügelschlägen mit einem Plumps wieder auf der Bahn.
Wir beziehen wieder 2 Jurten, in der 4 Personen Jurte gibt es einen Altar, bei uns ein Sofa. Da es draußen noch immer regnet trinken wir in unserer Jurte Kaffee und werden bekocht. Dann wird serviert. Es gibt leckere Salate, Kartoffelsalat, Krautsalat und Tomaten-Gurken-Salat und es schmeckt wieder super. Dann hat es aufgehört zu regnen und wir laufen zum Wasserfall. Wir sind alle begeistert von dieser Landschaft. Die Jurten sind besser als in der letzten Nacht und direkt am Fluss, mitten in der Natur ist es einfach wunderbar. Das Camp besteht nur aus 4 Jurten, zwei für uns, eine für die Gastgeber und eine für unsere Reisebegleiter. Wir brauchen keine Dusche und kein WC, Zähne kann man am Fluss putzen und Toilette ist überall.
Als wir zurück kommen holt der eine Fahrer, der wohl früher mal Offizier der mongolischen Armee war einen Ball und es wird Fußball gespielt. Wir lachen uns kaputt. Mitten in der mongolischen Steppe zwischen Yaks und Ziegen spielen wir Ball und im Anschluss singt uns Otnoo, begleitet von ihrem Handy „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ und andere deutsche Schlager vor und wir singen mit und haben unglaublich viel Spaß. Irgendwie unwirklich. Auch die Fahrer sind dabei, sie freuen sich über einen Wodka und ein Bierchen und man versteht sich auch ohne Worte ganz toll. Nun sitze ich auf meinem Bett in der Jurte, es ist viel breiter als gestern. Der Ofen glüht und es ist wunderbar warm hier.
Die Mongolen sind nun in ihrem Zelt und singen mongolische Lieder und es klinkt besser als ‚Griechischer Wein’ oder ‚Marmor, Stein und Eisen’ bricht. Das passt nicht hierher.






14. Juli

Nach etwa 120 km in Richtung Nordosten erreicht man Mongol Els, auch die `Kleine Gobi` genannt. Über 330 km ziehen sich die Sanddünen durch das Land. Zelten.
Es gibt immer wieder Momente im Leben die kann man nicht beschreiben. Heute früh war ein solcher Moment. Als ich aus der Jurte trat und die Umgebung in der Morgensonne wahrnahm. Es ist einfach unglaublich. Wilde Mongolei, so muss es sein. Der Fluss hat sehr viel mehr Wasser als gestern Abend. Im Hintergrund rings herum Bergketten, im Vordergund Ziegen, Yaks, Jurten und Pferde, alles noch in absoluter Stille. Irgendwie unwirklich und gleichzeitig fantastisch.




Die Nacht war ganz ok, nun am Fluss die Zähne putzen und in der Weite der Steppe irgendwo ein stilles Örtchen finden. Das ist aber hier nirgends ein Problem. Es gibt halt keinen Baum und keinen Busch.

Wir genießen unser Frühstück in der Morgensonne vor den Jurten direkt am Fluss. Wieder das leckere selbst gebackene Brot und all die anderen guten Dinge. Nur die sorgenvollen Gesichter der Fahrer sind ein kleiner Wermutstropfen. Der Fluss hat Hochwasser und wir müssen wieder durch. Sie fahren beide los um die Lage zu erkunden. Irgendwann kommen sie zurück und sehen nicht wirklich zufrieden aus. Wir packen die Autos und das bedeutet – Aufbruch. Ich sterbe fast vor Angst, so viel Abenteuer brauche ich dann auch nicht. Dann stehen wir vor dem Fluss. Er besteht aus vielen Armen. Ein mongolischer Reiter wird unser Lotse durch die Fluten sein. Als erstes fährt der Jeep, vorneweg der Reiter. Wir schaffen es über den ersten Arm, dann ist das Auto kaputt. Mit Packband werden irgendwelche Schläuche geflickt.









Dann fahren wir dem Reiter hinterher und mitten im Fluss bleiben wir stecken. Es war sehr still im Auto und wir hatten vermutlich alle Angst. Der Fahrer schaltet und versucht Gas zu geben. Lange und bange Sekunden die wie Stunden scheinen aber er schafft es. Ufffff.
Die nächste Hürde, wir bleiben in einem Schlammloch stecken. Es geht nur rückwärts wieder raus und einen anderen Weg, fast senkrecht einen Hang hoch. Ein bisschen Abenteuer ist schon dabei und ab und zu war der Bus kurz vor dem Umfallen. Der Fahrer fährt aber ausgezeichnet und hat das Auto voll im Griff. Auf der anderen Seite des Flusses fahren wir nun zum Wasserfall und verweilen hier ein wenig.

Wir fahren jetzt direkt am Fuße der Berge entlang und erleben wieder eine andere tolle Landschaft. Mittag gibt es wieder am Fluss. Wir genießen die Ruhe und Landschaft während man für uns kocht. Es gibt Reis und Chinesisches dazu, Schade, dass man hier den gesamten Müll in der Landschaft verteilt. Das stört irgendwie das Gesamtbild.
Irgendwann hört die Buckelpiste auf und hinter einer kleinen Kurstadt wird es wieder eine Asphaltstraße. Otnoo kauft in dieser kleinen Stadt Fleisch für die Männer, dann ist es noch ein Stück bis zur kleinen Gobi.



Dies ist ein Dünengebiet, welches sich über 330 km im äußersten Norden des Gobi-Altai-Aimak erstreckt. Hier fahren wir hinauf auf einen Berg mit rundherum Blick und beziehen wieder Jurten bei einer Familie. Eine der Jurten ist mit lauter Wandteppichen ausgekleidet. Sieht interessant aus. An den Jurten überall Solarzellen, die sorgen dafür, dass am Abend dann Licht in der Jurte ist. Als wir aussteigen wirft uns die Wärme fast um. Es sind 43,2 Grad in der Sonne. Ist schon ziemlich heftig.



Man sieht hier auf die Sanddünen, Berge und die unendliche Weiter der Landschaft. Wir lassen uns nieder und trinken Kaffee und Tee. Irgendwann fahren die beiden Fahrer mit uns zu einem kleinen Kloster in einem wunderschönen Tal. Wir dürfen hier alles ansehen und bekommen die Wandbilder erklärt. Man glaubt es nicht, aber hier stehen Olivenbäume. Eigentlich hatte man uns eine Begegnung mit Mönchen versprochen, das Kloster ist aber schon 1956 abgebrannt und demzufolge gab es auch keine Mönche mehr, nur 3 oder 4 Nonnen.
Nun fahren wir wieder auf den Berg und Otnoo ist noch dabei Abendbrot zu machen. Es gibt in der Pfanne gebratene Teigtaschen mit Gemüsefüllung und es schmeckt wie immer super gut.

Gerade als wir mit den Kamelen reden zieht ein Gewitter auf. Ein tolles Naturschauspiel. Zunächst baut sich ein Sandsturm auf, der aus der Wüste herauf zieht. Die Farben des Himmels sind bedrohlich. Als uns der erste Sand um die Ohren peitscht flüchten wir in die Jurte. Die ist diesmal total dicht. Nun prasselt der Regen und es donnert und blitzt. Bereits unterwegs sind wir heute durch Gewitterfronten mit Hagel gefahren, sehr zum Vergnügen des Fahrers der laut jubelte.



Wir sitzen in unserer Jurte aber warm und trocken, auch ohne Ofen. Unser Fahrer kommt auf einen Wodka vorbei und wir versuchen ein bisschen zu erzählen. Er hat 2 kleine Kinder, die Namen habe ich schon wieder vergessen. Das Unwetter zieht vorüber und auch jetzt werden wir wieder Zeuge von einem wunderbar leuchtenden Himmel.
Nun ich will aufs Klo. Mittlerweile ist es stockdunkel. Ich wandere in die eine Richtung, da stehe ich zwischen lauter Ziegen, in der nächsten Richtung sind die Kamele geparkt, dann haben wir da noch Kühe und ein Pferd. Als ich dann endlich ein tierfreies Areal zum hinhocken gefunden habe, taucht plötzlich der Busfahrer hinter mir auf und lacht sich kaputt.
Dann versuchen wir es mit Schlafen.


15. Juli

Rückfahrt nach Ulan Bator, Hotel Karakorum
Noch ein Tagesbeginn wie im Bilderbuch. Es siht nicht so aus als wäre heute nacht ein Unwetter über uns hinweggezogen. Alles friedlich und ruhig. Bin mal wieder überwältigt.




Heute hat Alex Geburtstag. Uwe und Katharina wollen ihn 12 Uhr abholen und mit ihm an den Edersee fahren. Er freut sich und mein schlechtes Gewissen ist nicht ganz so groß.
Ein letztes leckeres Frühstück von Otnoo und wir fahren wieder zurück in Richtung Ulan Bator. An den Sanddünen machen wir noch einen Fotostopp, es gibt auch Frösche und Libellen, eher ungewöhnlich für eine Sandwüste.



Wieder geht es durch die Landschaft von der wir nun Abschied nehmen müssen. Irgendwo am Fluss (hier waren wir schon einmal) kocht Otnoo uns ein letztes Mittag. Es gibt Nudeln und chinesisches Geschnetzeltes. Schmeckt wieder gut. Wir erfahren hier, dass die Bahnstrecke zwischen Ulan Bator und der russischen Grenze gesperrt ist weil sie während der Unwetter in der letzten Nacht teilweise unterspült und zerstört wurde. Na dann hoffen wir mal, dass bis morgen Mittag alles repariert ist.
Wir müssen uns von Otnoo verabschieden, sie fährt mit 3 jungen Leuten aus Brandenburg wieder in Richtung Karakorum. Wir werden von einem anderen Reiseleiter auf dem Rückweg begleitet, der ein bisschen Deutsch spricht. Er bringt uns bis zum Hotel Karakorum. Mit dem Ortseingang von Ulan Bator ist er wieder da, der Dauerstau und das chaotische kreuz und quer gefahre. Also die Prinzipien des Fahrens habe ich nicht begriffen. Jeder fährt, bis es nicht mehr weiter geht. Aus 3 Spuren werden schnell 6 Spuren, man biegt ab wie man gerade lustig ist und bremst erst, wenn man die Stoßstange an der Tür des anderen Autos hat. Gehupt wird ununterbrochen. Man schneidet rechts und links fast die Kotflügel ab, ab und zu stockt uns der Atem. Selbst Reifen kann man in dem Chaos in der 4. Spur noch wechseln.
Wir sind aber ohne Beulen am Hotel angekommen, es ist beeindruckend. Für die Fußgänger ist es genauso interessant. Man macht die Augen zu und läuft einfach los.
Nun verabschieden wir uns auch von den Fahrern und beziehen wieder das gleiche Zimmer wie vor ein paar Tagen.
Endlich Duschen, nach 4 Tagen sind wir froh, endlich warmes Wasser zu spüren. Es tut gut. 18 Uhr treffen wir uns wieder und laufen wieder ins Zentrum. Wir gehen erst die Postkarten in einen Kasten im Café Amsterdam wegbringen, Briefkästen gibt es hier nicht. Dann gehen wir zu einem Italiener und essen Pizza (ich eine Calzone in Gedanken an meinen Geburtstagssohn).
Dann gehen wir noch einmal ins Kaufhaus um das letzte Geld umzusetzen. Es gibt T-shirts und Lebensmittel für die nächste Zugfahrt.
Im Hotel genießen wir dann die Ruhe und freuen uns über ein richtiges Bett.


16. Juli

Vormittags ggf. Zeit zum Shopping in der obersten Etage des Kaufhauses, wo es viele interessante Souvenirs gibt. Transfer zum Bahnhof und Abfahrt von Ulan Bator nach Ulan-Ude um 13.50 Uhr mit Zug Nr. 5 (Waggon- und Bettennummern erfahren Sie vor Ort).
Das karge Hotelfrühstück schmeißt uns nicht vom Hocker, wir sind ja jetzt verwöhnt. Dann haben wir bis 12 Uhr Zeit. Ich sichere alle Fotos und schreibe am Bericht weiter. Dann werden wir wieder mit 3 PKW's abgeholt, das klappt wirklich alles super. Wir wissen nun auch, dass der Zug fährt und müssen auf Gleis 1 nicht lange warten bis unser Zug kommt. Irgendwie gehen komische Dinge vor sich. Massen von Mongolen sind in unserem Wagen unterwegs und schleppen riesige Bündel mit irgendwelchen Waren in die Abteile. T-Shirts, Jeans, Gürtel, Küchenwaagen, Bettwäsche. Ob wir mit lauter Schmugglern unterwegs sind? Sie zerren ihr Bündel recht rücksichtslos durch die Gänge als hätten sie es sehr eilig. Es sind auch sehr unterschiedliche Typen unterwegs, allerdings haben fast alle Leggins oder Schlabberhosen an.
Als der Zug losfährt beginnt ein reger Handel. Man geht mit leeren Tüten zu den Abteilen und kauft ein oder tauscht. So ganz verstehen wir nicht was hier passiert. Irgendwann schließen wir uns in unserem Abteil ein denn die Typen stehen auch dauernd in unserem Abteil. Wir wollen aber gerade nichts verkaufen. Auch die verschlossene Tür hindert die Mongolen nicht, dauernd daran zu rütteln. Wir machen aber nicht mehr auf. Das kann ja eine lustige Nacht werden. Wer weiß, was die dann verkaufen.
Neben dem gleichmäßigen Tatatam des Zuges raschelt es überall, irgendwann ziehen sie dann mit Töpfchen durch die Gegend und es wird geveschpert.



Bis 22 Uhr werden wir nun unterwegs sein und die Landschaft der Mongolei auf uns wirken lassen. Dann sind wir wieder an der Grenze nach Russland und werden wohl wieder 8 Stunden herum stehen und man wird uns am Schlafen hindern.
Die Bettwäsche in diesem Zug bekommen wir vorbildlich verpackt. Diesmal sind auf den Handtüchern Teddys und die Wäsche riecht sogar gut.
Das ist schon ein starkes Stück. Wir sind mitten in einer Schmugglerbande. Wir werden Zeuge wie die Waggongbegleiterinnen bestochen werden. Auf dem Gang herrscht ein reges Treiben. Man ist damit beschäftigt, in allen Abteilen Waren zu verteilen und zu verstecken. Wir haben uns schon über den riesigen Karton Paketklebeband gewundert. Damit werden die ganzen heißen Waren im Türrahmen und an allen möglichen Plätzen festgeklebt. In den Klappen unter dem Teppich im Gang wird Zeug versteckt. Ich will lieber gar nicht wissen, was es alles ist.
Irgendwann kommen wir dann an die mongolische Grenze und wir können zusehen, wie der mongolische Zoll bestochen wird. Jeder bekommt ein Tütchen und schaut glücklich. Es herrscht noch immer ein reges Treiben. Offensichtlich haben sie vor dem russischen Zoll so richtig Schiss. Das kann ja noch sehr interessant werden. Solche komischen Nachbarn haben wir im Zug noch nie gehabt.
Gegen Mitternacht singen wir Carina ein Ständchen denn sie hat heute Geburtstag. Wir trinken einen Whiskey auf ihr Wohl und erzählen noch ein bisschen.
Ich hoffe, dass solche Nächte nicht noch steigerungsfähig sind. Es war einfach nur furchtbar. Mit solchen Erlebnissen wird einem das Flair der Transsib etwas genommen. Unsere Schmugglerbande war bis zur russischen Grenzstation aktiv. Ich glaube, die ganzen Klamotten dienten nur der Tarnung, den Stoff hatten sie in den Klappen unter dem Teppich versteckt und darum ging es wohl wirklich.
Gearbeitet wird mit allen Mitteln... auf die eine Klappe wurde ein Rollstuhl gestellt, dazu gehörte eine verwachsene Frau die allerdings die ganze Zeit sehr munter mit über den Gang gehüpft ist und auf die andere Klappe wurden 2 Kinder zum Spielen gesetzt.
An der russischen Grenze erschien zunächst ein Typ der die Klappen unter dem Teppich öffnete, mit der Taschenlampe herein leuchtete, die grünen Päckchen mit dem Stoff sah und den Deckel wieder zu machte. Also auch bestochen. Dann gingen mindestens 4 mal Uniformierte mit je 2 Hunden durch den Gang, die Hunde zuckten an keiner Stelle. Sie sahen allerdings auch nicht so richtig abgerichtet aus.
Dann kamen grün Uniformierte und die nahmen die Abteile dann auseinander und die ganzen Pakete mit den Klamotten flogen in den Gang. Irgendwann wurden die Typen mit samt ihrer Schmugglerware mitgenommen. Wir waren allein im Waggon mit dem ganzen Stoff. Da denkt man schon mal darüber nach was passiert, wenn das Zeug uns zugeordnet wird. Allerdings hatten wir nur gedacht, dass man die Typen samt ihrer Ware einkassiert. Auf dem Bahnsteig standen 4 weiße Caddys, dort wird die gesamte Ware verladen und die Typen stiegen mit viel größeren anderen Paketen wieder in den Zug.
Es dauerte ewig, bis alle Ballen mit der neuen Ware durch die Gänge gedonnert wurden. Die Abteiltüren knallten, die Typen machten Krach ohne Ende und es war irgendwo halb 3 Uhr in der Nacht. Irgendwann setzt sich der Zug wieder in Bewegung und die sind die ganze Nacht mit den Tüten und den Waren in den Gängen unterwegs. Es lebe die Korruption.
Dann stritten sich Simone und Erika noch lautstark, es war Zickenkrieg angesagt und nebenan kreischte ein junges Mädchen ohne Unterbrechung. Die war schon den ganzen Abend im Gang herum getorkelt und wir wussten nicht, ob sie unter Alkohol oder Drogen steht. Ich kam mir vor wie in der Psychiatrie und habe mich ins Koma gedacht um nicht auszuflippen.
Die ganze Nacht stand immer wieder ein anderer Typ in unserem Abteil. Abschließen war sinnlos, die hatten alle einen Vierkant in der Tasche und haben ihn auch eingesetzt.
Also diese eine Nacht unserer Fahrt ist ein totales Negativerlebnis und das brauche ich nicht noch einmal.


17. Juli

Ankunft in Ulan-Ude um 07.27 Uhr, Transfer zum Hotel Baikal Plaza direkt am Stadtplatz. Frühstück im Hotel (ist im Preis enthalten). Vormittags zweistündige Führung zu Fuß durch das historische Stadtzentrum und anschließend Zeit für die Stadt auf eigene Faust. Empfehlenswert ist ein Essen in dem vorzüglichen Restaurant Modern Nomads.
Auch solch Nächte gehen irgendwann vorbei. Wir erreichen Ulan-Ude einigermaßen pünktlich und werden von Dasha erwartet, einer sympathischen jungen Frau. Wieder heißt es Treppen steigen, dass macht Spaß mit dem Gepäck.
Wir werden wieder in einen Bus verpackt und der bringt uns zum Hotel Baikal Plaza, einem 4 Sterne Hotel und dem 2. besten Hotel der Stadt.
Erstes Ziel, die Dusche, nach der Nacht unglaublich angenehm. Allerdings kommt unter der Wanne lauter Wasser hervor und überschwemmt das Bad. Dann gehen wir zum Frühstück und sind zufrieden. Es schmeckt und wir haben genügend Zeit denn erst 12 Uhr holt uns Dasha zur Stadtführung ab. Wir sind nun in der autonomen Republik Burjatien. Das Volk der Burjaten stellt, nach den Russen, den größten Teil der Bevölkerung im südlichen Baikalgebiet. Sie erstreckt sich vom Nordufer über das Ostufer des Baikals bis in das Khamar-Daban-Gebirge, das Tunka-Tal und das Ost-Sajan Gebirge. Die südliche Begrenzung der Republik stellt die Grenze zur Mongolei dar, östlich schließt sich der Oblastj Chita an, westlich die Autonome Republik Tuwa und nördlich der Baikal und die Irkutsker Oblast. Die Größe der Republik entspricht mit 351 300 qkm in etwa der Deutschlands und sie hat eine Bevölkerungsdichte von 0,5 - 8 Einwohnern / km². Weitere große Städte sind Severobaikalsk im Norden und Babushkin am Ostufer des Baikals. In der autonomern Republik Burjatien ist Burjatisch neben Russisch die Amtssprache. Die Glaubensrichtungen sind der Animismus, Schamanismus und der tibetischen Buddhismus, der auch als Lamaismus bezeichnet wird. Im Animismus herrschte die Vorstellung, dass in der Natur alles von Göttern bewohnt ist, z.B. Bäume, Berge, Flüsse und die Elemente Feuer, Wasser, Luft usw. Um diese Götter gut zu stimmen, muss ihnen der Mensch Opfer bringen. Deshalb finden wir auch hier, überall Plätze, an denen Geld, Zigaretten und viele andere Dinge zu finden sind. An vielen Stellen sind auch kleine Schleifen befestigt, die die Wünsche der Menschen verkörpern.
Ulan-Ude ist die Hauptstadt der Republik Burjatien und liegt am Zusammenfluß von Ude und Selenga. Die eine Millionen Einwohner verteilen sich auf rund 100 Nationalitäten und Völker. In Ulan-Ude wohnen ca. 350 000 Einwohner, es ist eine der schönsten Städte Sibiriens und wurde 1666 am Zusammenfluss der Selenga und der Ude von Kosaken als Winterlager Udinsk gegründet. Die Stadt entwickelte sich schnell und entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu ihrer vollen Blüte. Die Odigitreja-Kathedrale und die reich verzierten Kaufmannshäuser sind Zeugen dafür. Ulan-Ude ist die 3. größte Stadt Sibiriens.
Wir besichtigen als erstes den riesigen Lenin-Kopf auf dem Zentralplatz und Dasha erklärt uns die Gebäude. Auch der KGB hat hier seinen Sitz gehabt. Dann laufen wir zum Theater (es gibt 5 Theater in der Stadt) und zur Fußgängerzone. Hier ist die Perestroika wirklich angekommen. Diese Innenstadt gefällt uns gut. Nun besichtigen wir die Kathedrale, sieht von außen sehr monumental aus, innen wirkt sie eher schlicht mit vielen Ikonenbildern.





Der Rückweg führt uns durch die Smolina-Straße vorbei an vielen Holzhäusern. Allerdings müsste hier sehr viel getan werden, um diese Häuser zu erhalten. Vor allem Farbe wäre wichtig.
Dasha verabschiedet sich von uns und wir gehen in eine Art Biergarten zum Mittagessen. Das kühle Bier tut gut und für mich gibt es Hähnchen mit Käse überbacken und Butternudeln dazu. Zurück im Hotel holen wir einen Teil des fehlenden Schlafes auf. Es tut gut, ein richtiges Bett unter sich zu spüren. Allerdings ist vor unserem Fenster eine Baustelle und vom Presslufthammer über Kreissägen bis zum Betonrüttler ist alles in Betrieb.
Kurz vor Sieben treffen wir uns wieder und laufen zum Modern Nomade, eine Empfehlung der Agentur. Wir hatten vorsichtshalber reservieren lassen, denn an diesem Wochenende ist hier etwas ähnliches wie das Naadam-Fest und wir wissen nicht, wie viele Leute in der Stadt sind. Man merkt allerdings nicht sehr viel davon. Die Karte ist gut lesbar denn sie ist Englisch und jedes Gericht mit Foto. Jeder findet etwas. Als Vorspeise esse ich schwarzen Milchtee mit Pelmenis, schmeckt interessant. Die Pelmenis sind mit Lammfleisch gefüllt. Dann esse ich Schweinefleisch mit Käse und Tomaten überbacken, Möhrensalat und Pommes. Schmeckt alles gut.
Der Abend ist noch jung und wir wollen Carinas Geburtstag noch begießen. Also ziehen wir in die Fußgängerzone und lassen uns im Biergarten eines Irish Pub nieder. Natürlich gibt es Bier und wir sehen dem Treiben zu. 2 total Betrunkene führen mit alten Flaschen irgendwelche Kunststücke vor und auch sonst ist einiges los hier. Irgendwann beginnt die Life-Band mit Russenrock. Die Musiker sind auch sehenswert. Irgendwie kommt uns alles sehr unwirklich vor. Da sitzen wir an einem wunderschönen Sommerabend in der Leninstraße im Irish Pub und hören Russen-Rock. Alle Schönen spazieren an uns vorbei. Die Frauen rausgeputzt und schön, die Männer in Trainingsanzügen im Schlabberlook. Am Nachbartisch sitzt ein besonders schöner Mann im roten Trainingsanzug der uns irgendwann fotografiert. Vermutlich KGB und er leitet die Fotos von diesen westlichen Touris an die
Zentrale weiter...
Gegen 23 Uhr wird es dunkel und wir gehen zurück. Ein sehr lustiger Abend.

18. Juli

Ausflug zum Lamakloster Ivolginsk und in ein Altgläubigendorf, wo Sie ein Mittagessen bekommen (ist im Preis enthalten). Transfer zum Bahnhof und Abfahrt von Ulan-Ude nach Irkutsk um 23.10 Uhr mit Zug Nr. 361 (Waggon Nr. 12, Betten Nr. 13 bis 20).
Dasha holt uns gemeinsam mit ihrer Chefin gegen 12 Uhr im Hotel ab. Zunächst hieß es, wir fahren zu einem burjatischen Restaurant, dann wurde bekannt gegeben, dass wir zu einer Gastfamilie fahren und dort essen werden. Also bringt uns der Kleinbus zu einem Holzhaus am Rande der Stadt. Vor der Tür wartet bereits die Gastmutter mit ihrem Sohn mit einem blauen Tuch und einer Schüssel Milch aus der wir zur Begrüßung alle trinken dürfen.



Dann dürfen wir eintreten. Im Garten ist jeder qm genutzt. Eine Jurte steht dort und sonst wird Gemüse angebaut. Wir dürfen uns alles ansehen, auch das Holzhäuschen wird besichtigt. Die Familie hat wohl 2 Söhne, einer erholt sich gerade auf Olchon, der andere ist hier. Außerdem ist noch die Nichte aus Moskau zu Besuch. Nach der Besichtigungstour werden wir zu Tisch gebeten. Die burijatische Küche ist wohl so ähnlich wie die mongolische. Zunächst wird Wodka eingeschenkt und der erste Wodka wird durch den Hausherren den Göttern gestiftet, damit unsere Reise gut verläuft. Der kippt wirklich den guten Wodka in den Garten. Na wenn es hilft, dann ist es ja gut. Dann trinken wir alle Wodka und kosten all die Leckereien auf dem Tisch. Es gibt zum Beispiel Buusy eine Art Eierkuchenteigtasche mit einem Wurst-Käsesalat gefüllt und liebevoll gefaltet, es gibt Gemüse, gebratenes Schweinefleisch mit einer Gemüsepanade und Reis. Es gibt Nudelsuppe mit selbst gemachten Nudeln, die schmeckt gut. Dann kommt eine große Holzschüssel aus Birkenholz mit Hammel und Rindfleisch, das ist dann nicht mein Favorit. Als Getränk wird neben Wodka, Wasser und Tee auch Arsa serviert, eine gekochte, gegorene und dann gebratene Magermilch. Sieht komisch aus und schmeckt auch komisch. Nur Volkmar schafft es, das Zeug auszutrinken.




Ainna, die Gastgeberin, ist Grundschullehrerin und zeigt uns nun verschiedene burjatische Trachten. Sie erklärt, welche Tracht für welchen Menschen bestimmt ist und dann werden wir alle in Trachten verpackt und haben viel Spaß dabei. Ich bekomme die Wintervariante an, schlicht aber sehr warm, da mit Schaffell gefüttert. Angesichts der Temperaturen ein sehr schweißtreibender Akt. Es ist aber sehr lustig und es gibt viele Fotos.



Die Burjaten haben eine ganz eigene Sprache und man versteht kein Wort mehr. Unsere Begleiterin Dasha ist Burjatin mit Leib und Seele und liebt ihre Stadt. Das kann sie gut vermitteln. Nun wird der Nachtisch serviert. Eine Art Kräppelchen mit einem Gemisch aus saurer Sahne und Butter, welches gekocht und dann gebraten wird. Sehr nahrhaft aber sehr gut. Dazu wird die Flasche Wodka vernichtet, wir wollen ja die Götter nicht verärgern. Irgendwann müssen wir dann weiter, denn das heutige Programm ist noch nicht vorbei.
Nun fahren wir zum Lamakloster Iwolginski Dazan. Das buddhistische Kloster Ivolginsk, 40 km westlich von Ulan-Ude entfernt, zählt als das zentrale Heiligtum des Buddhismus in Russland.
Nachdem unter Stalin in den 30er Jahren alle buddhistischen Tempel zerstört wurden, erlaubte er, im Zuge einer Lockerung in Religionsfragen, außerhalb der Stadt Ulan-Ude einen Tempel und ein Kloster zu errichten. Hier hat seitdem der Hambo-Lama, der oberste Lama für ganz Russland, seinen Sitz. Das Kloster wurde 1945 gegründet, als erstes und bis heute einziges buddhistisches Zentrum der GUS- Staaten. Es ist sehr neu und ein bisschen kommt man sich vor wie in Disney-Land. Zur Zeit wird hier ein neuer und noch viel größerer Tempel gebaut.

Dann geht es weiter.
Die Landschaft außerhalb von Ulan-Ude ist sehr schön. Ein bergiges Gelände und kaum Bebauung. Ab und zu huscht ein kleines Erdhörnchen über die Straße. Unser nächstes Ziel ist das Dorf Tarbagatai der Altgläubigen. Hier sollen wir die Kirche und ein Museum besichtigen, und bei einer Familie Abendbrot essen.
Die Altgläubigen sind in der Nähe von Ulan Ude beheimatet und leben gemäß den Traditionen der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie kleiden sich entsprechend, bauen ihre Häuser, legen ihre Dörfer an, benutzen Haushaltsutensilien, musizieren und sprechen wie damals. Sie entsagen der modernen Welt aus religiösen Gründen. Bereits bei unserer Fahrt durch das Dorf stellen wir fest, dass hier wunderschöne sibirische Holzhäuser stehen die alle sehr gut erhalten und gepflegt sind. Es ist sauber und es sieht aufgeräumt aus. Wir halten vor der kleinen Kirche, allerdings sind weder der Priester mit dem wir verabredet waren noch die Gastfamilie da. Sie sind spurlos verschwunden. Wir beschließen das Dorf zu besichtigen, da ruft die Chefin von Dasha an und schickt uns nach Bolschoi Kunalei. Dieses Dorf finden wir nicht gleich, erst im 2.Anlauf.
Hier das gleiche Bild, alles sauber und ordentlich. Wir werden bereits an einem prachtvollen Tor von 2 älteren Damen in Tracht und 2 jungen Männern in einer Art Kosakenhemd empfangen. Man spürt die Gastfreundschaft und hat das Gefühl willkommen zu sein.





Eine der beiden Frauen bittet uns ins Haus und dort ist auch ein kleines Museum eingerichtet. Sie erzählt aus ihrem Leben. Ihr Vater war ein bekannter Musiker, wurde aber in der Zeit des Sozialismus verfolgt und hat 5 Jahre im Gefängnis gesessen. Die Kommunisten haben immer wieder versucht die Traditionen der Altgläubigen zu vernichten. Es ist ihnen aber nur teilweise gelungen und seit Perestrioka dürfen die Menschen ihre Religion wieder so leben wie sie es für richtig halten. Sie zeigt uns dann verschiedene Trachten und wir dürfen uns in dem Haus umsehen. Hier wird wieder russisch gesprochen, allerdings klingt es etwas anders als wir es gelernt haben.
Dann dürfen wir im Garten an einer eingedeckten Tafel Platz nehmen. Es ist unglaublich, wie schnell man für uns ein reichhaltiges Essen gezaubert hat. Angeblich lehnen die Altgläubigen Alkohol ab, doch die eine der beiden Damen in Tracht stellt den selbstgebrannten Wodka auf den Tisch und trinkt mit uns zur Begrüßung. Dann wird weiter aufgetafelt. Carina und mir fällt der Speck auf dem Tisch auf. Ich habe das letzte Mal solch leckeren Speck im Banat in Rumänien gegessen. Es gibt verschiedene Hefekuchen, eine Art Kartoffelsalat, Omelett, Nudelsuppe mit Kraut, man kann sich gar nicht alles merken. Alles ist jedenfalls sehr lecker und schmeckt. Wir sind begeistert. Nach dem Essen geben die beiden Frauen mit ihren beiden Enkeln ein Ständchen. Unglaubliche Stimmen, schließlich stammen sie ja von einem großen Musiklehrer ab. Wunderschöne traurige russische Lieder. Natürlich wollen sie auch von uns ein Lied hören und wir schaffen die erste Strophe von 'Wenn alle Brünnlein fließen'.





Leider müssen wir los denn der Zug wartet nicht. Beim Gehen kommen mir fast die Tränen. Carina meint, das sei der viele Wodka, ich meine, es ist die Rührung. Es war jedenfalls wieder ein wunderschöner Tag.

Am Bahnhof wartet die Chefin
schon mit unseren Koffern und glücklicherweise fährt der Zug auf Gleis 2 ein, dass heißt - keine Treppen. Der Zug ist pünktlich, wir bekommen unsere Abteile und gehen bald kaputt vor Wärme. Die Luft steht. Zum letzten Mal beziehen wir unsere Pritschen. Das Gepäck verstauen wir nun schon professionell und irgendwann schlafen wir dann ein bisschen. Diesmal haben wir ruhige Nachbarn und die letzte Fahrt ist ganz ok.


19. Juli

Ankunft in Irkutsk um 07.41 Uhr. Transfer zum Hotel Victory mitten in der Altstadt. Frühstück im Hotel (ist im Preis enthalten). Vormittags deutschsprachige Führung zu Fuß durch das historische Zentrum der Stadt inkl. Eintrittskarten und anschließend Zeit für die Stadt auf eigene Faust. Geldtausch am Vortag der Abfahrt nach Olchon: Falls Sie vor Ihrer Abfahrt nach Olchon Geld wechseln möchten, tun Sie das nach Möglichkeit bitte schon am Vortag. Im Hotel Baikal gibt es einen Bankomaten und eine Wechselstelle, einen weiteren Bankomaten finden Sie im Hotel Angara.
Diesmal warten wir einen Moment bis der Fahrer uns gefunden hat. Dann steigen wir in einen großen Bus in dem sogar die Deutschland-Fahne aufgestellt ist. Die Fahrt zum Hotel Victory dauert allerdings nicht lange. Wir dürfen unser Gepäck abstellen und zum Frühstück gehen. Allerdings ist man hier nicht erfreut über unser Erscheinen. Es ist schon eine Gruppe da und offensichtlich ist man überfordert. Das Geschirr und das Besteck ist wohl ausgegangen und irgendwie ist jede Frage und Bitte eine zu viel.
Gegen 9 Uhr kommt Galina um mit uns auf Stadtrundgang zu gehen. Das Hotel liegt ja ziemlich zentral gleich an der Karl-Marx-Straße. Diese laufen wir dann auch herunter, vorbei an verschiedenen rausgeputzten Prachtbauten. Die gehören wohl überwiegend der Universität. Auch die Verwaltung der Transsibirischen Eisenbahn hat ein prachtvolles Gebäude. Sonst ist aber alles sehr groß und weit und begeistert uns nicht wirklich.

Am Ufer der Angara ist es ganz nett, die Dimension Fluss ist schon beeindruckend. Dann laufen wir eine andere riesige Straße hoch bis zu einem schmucklosen Gebäude aus der Zeit des Kommunismus. Hier hat Lenin eine wunderschöne Kathedrale abreißen lassen und dieses riesige Gebäude hinstellen lassen. Ist kaum nachvollziehbar, was da so an Kulturgut vernichtet wurde.
Irkutsk soll laut Reiseführer die schönste Stadt Sibiriens sein, wir sind uns aber einig, dass es uns in Ulan-Ude besser gefallen hat. Hier ist alles in solch riesigen Dimensionen und die Bebauung scheint recht willkürlich. Allerdings bringt die Reiseleiterin ihre Stadt auch mit wenig Enthusiasmus rüber, das war bei Dasha anders.
Dann treffen wir im Hotel Angara die Chefin der Agentur denn es gibt wohl Probleme wegen unserer Überfahrt nach Olchon mit dem Schnellboot. Wir standen auf der Warteliste und sie hat nun nur 5 Plätze und das ist für 8 Personen ein bisschen wenig. Als Alternative bietet sie einen Bus für uns alleine und eine Fähre dann auf Olchon an. Die Fahrt dauert wohl auch 5 Stunden. Also Bus, das ist keine schlechte Alternative.

Dann sehen wir und noch eine Kirche an und laufen zum zentralen Platz. Hier gibt es in vielen Städten noch fest installierte Zirkuszelte. Derzeit gastiert wohl ein Moskauer Zirkus hier. Der Platz ist ganz nett aber auch in riesigen Dimensionen und da fehlt die Gemütlichkeit. Nun wandern wir durch die Fußgängerzone zur Markthalle und kaufen Kräutertee vom Baikalsee. Unsere Stadtführerin sagt Tschüss und wir gehen in ein SB-Restaurant in die Fußgängerzone und essen Mittag. Ich esse ein Stück Pizza und irgendeine Teigtasche, dazu gibt es Bier. Nun geht es zurück zum Hotel und wir bekommen Zimmer. Das Zimmer ist zwar schön aber wieder so klein, dass man die Koffer kaum aufklappen kann und dann bei jedem Gang durch das Zimmer über sie steigen muss. Jedenfalls gibt es warmes Wasser und ein Bett zum Ausruhen. Ich schreibe wieder Tagebuch und speichere Fotos ab. Mit Carina gehen wir dann zum Supermarkt und kaufen Getränke und Milka-Schokolade, die schmeckt aber nicht wirklich wie Milka und wir stellen fest, dass sie überlagert ist. Dann versuchen wir ins Internet, das ist aber gar nicht so einfach denn man muss ständig zwischen der russischen und der normalen Tastatur umstellen. Wir bleiben am Ball und schaffen es.
19 Uhr treffen wir uns wieder und laufen Richtung Angara. In einem Biergarten lassen wir uns nieder, es ist etwas schwierig mit der Speisekarte klar zu kommen. Eigentlich wollen wir Schaschlik essen, den gibt es aber nicht. Also essen wir Spagetti Carbonara und die sind gut. Dazu ein kühles Bierchen. Es ist noch sehr warm und so wandern wir zum Ufer der Angara. Hier steppt der Bär. Man merkt, dass die Leute die hier wohnen nur einen sehr kurzen Sommer haben und den genießen sie in vollen Zügen.
Die Mädels sind alle super schlank und sehr figurbetont angezogen und stöckeln über den Platz, Kinder fahren mit elektrischen Autos und eine Gruppe Rennradfahrer hat sich zu einer Pause niedergelassen. Man zeigt sich, man schwatzt oder man genießt einfach nur den Sommerabend. Ist jedenfalls eine angenehme Stimmung. Wir promenieren noch ein wenig am Ufer entlang, dann gehen wir zurück ins Hotel.




20.Juli

Transfer zum Anleger des Schnellschiffes 'Kometa' nach Olchon, Abfahrt um 08.50 Uhr, Ankunft um 14.00 Uhr. Transfer zu Nikita, inkl. Vollpension.
8 Uhr ist Frühstück, heute sind wir die einzigen Gäste und es klappt wie am Schnürchen. Es geht also wenn man will. Sylvi und Volkmar haben verschlafen, Volkmar muss ohne Frühstück in den Bus. Gegen 9 Uhr kommt die Chefin der Agentur noch einmal vorbei um uns zu verabschieden. Wir dürfen doch tatsächlich mit dem großen Bus fahren der uns am Bahnhof abgeholt hat. Da hat jeder mehrere Sitzreihen für sich alleine und wir genießen den Platz. Es geht nun 5 Stunden durch Sibirien, erst durch Wiesen, dann durch Birken- Fichtenwälder und es hoppelt ab und zu ziemlich. Die Straße ist über weite Teile unbefestigt und ich finde es etwas langweilig. Dieter freut sich über die Landschaft.
Wir sind gespannt, was uns auf Olchon erwartet.
Auf jeden Fall wird der Baikalsee ein Erlebnis sein. Er ist der tiefste, wasserreichste und größte See der Erde. Die Länge beträgt 636 km, die Breite zwischen 80 und 20 km. Die maximale Tiefe ist 1637m. 336 Flüsse speisen den See aber es gibt nur einen Abfluss, die Angara. Der Baikalsee fasst doppelt soviel Wasser wie die Ostsee, 20 % des gesamten Süßwasserbestandes der Erde. Alle Flüsse der Erde bräuchten ein Jahr um den See zu füllen. Im Baikalsee sind 22 größere und kleinere Inseln, Olchon ist die größte Insel. Im Winter friert der gesamte See zu, die Eisdicke beträgt zwischen 80 cm und 3 Meter. Irgendwann kommen wir in Sahjurta (MRS) an und es dauert nicht lange bis eine Fähre kommt. Es ist spannend denn die Autos müssen alle rückwärts von der Fähre fahren und das eine oder andere Auto sitzt auf. Dann dürfen wir mit unserem Gepäck aufs Boot und können 20 Minuten über den Baikalsee fahren. Auf der anderen Seite erwartet uns ein Kleinbus im Armeelook und ein Typ spricht uns auf Russisch an. Wir verstehen nur Nikita und 7 Personen und als wir uns auf 8 Personen einigen, steigen wir ein. Volkmar hat zwar Bedenken dass wir entführt werden aber es passt schon. Der Bus ist allerdings etwas klein für unser Gepäck und uns und wir sitzen teilweise auf Eisenstangen. Das ist alles andere als bequem und so sind wir froh, als wir nach einer Stunde endlich in Chuschir ankommen. Allerdings weiß ich nicht ob ich das Nikita-Camp lustig finde. Ein wildes Durcheinander an Hütten und Häusern, jede Menge Menschen und eine eher nüchterne Begrüßung. Irgendwann taucht Konstantin auf, er spricht ein bisschen Deutsch und bringt uns zu unserem Holzhaus. Es liegt ein bisschen außerhalb und wir beziehen unten 4 Zimmer und Carina zieht in die erste Etage mit 4 Betten und Blick auf den Baikalsee. Strom gibt es auf dieser Insel seit 3 Jahren, Wasser noch immer nicht. Zu unserer Etage gehört ein Klo mit einer Wasserspülung, was für ein Luxus. Über dem Waschbecken im Zimmer hängt eine Art Riesentrichter in dessen Öffnung sich ein Stift befindet. Wenn man Wasser entnehmen will, muss man es vorher oben rein schütten und dann den Stift nach oben drücken. Das ganze fließt über ein flexibles Plastikrohr in einen ausgesägten Kanister und man muss aufpassen, dass man diesen vor dem Überlaufen leert. Sonst gibt es noch 2 Holtzpritschen und beim Anblick der Bettwäsche bin ich froh, dass ich einen Leinenschlafsack mitgenommen habe. Naja, auch das werden wir überstehen. Direkt neben uns sind ein paar Privatdatschen, da scheinen pro Datsche ganze Großfamilien drin zu wohnen.



unser Haus auf Olchon


Toilette mit Regenwasser (Zufluß)



Wir haben eine Essenmarke für 8 Personen bekommen und mit dieser müssen wir uns registrieren lassen, dann wird pro Person ein Teller Suppe und ein Süßteil ausgegeben. Tee kann man sich nehmen soviel wie man will.
Dann erkunden wir die Gegend. Mit Carina laufen wir zum Schamanenfelsen und angesichts dieser wunderbaren Natur sind wir wieder etwas ausgesöhnt. Der Schamanenfelsen wird häufig als Symbol des Baikalsees bezeichnet. Bereits vor Jahrhunderten wurde er als Heiligtum und Sitz der Götter verehrt und gefürchtet. In der Tat lässt die Ausstrahlung des der Küste vorgelagerten Kalkfelsens kaum jemanden unberührt. Man kann hier stundenlang sitzen und aufs Meer und die Bucht schauen. Es ist einfach nur schön. Am gegenüberliegenden Ufer sieht man auf die Steilküste, alles ist majestetisch und hat eine enorme Ausstrahlung.
20 Uhr ist Abendbrot. Diesmal müssen wir um Plätze kämpfen. Es gibt Salat mit geräuchertem Omul und dazu esse ich eine Art Reispfanne (die Alternative ist Kartoffelbrei mit Fleisch). Man wird satt und man gewöhnt sich an das Leben, welches an das in einer Jugendherberge erinnert. Zum Sonnenuntergang sitzen wir bei Carina vor dem Zimmer quatschen und sehen auf den See. Dieter und ich spazieren in der blauen Stunde (eine Stunde nach Sonnenuntergang) noch einmal an den See, da ist das Licht zum fotografieren besonders schön. Gute Nacht.




21. Juli

Ausflug an die Nordspitze der Insel inkl. Picknick unterwegs und deutschsprachiger Begleitung.
4 Uhr klingelt der Wecker, wir wollen mit Carina zum Sonnenaufgang an den See. Es ist wunderbar still und wir haben ganz kurz geschlafen. Es dauert allerdings noch eine Weile bis sich der Himmel beginnt zu verfärben. Es ist aber grandios welches Farbspiel sich uns bietet. Bis halb Sechs halten wir es aus, dann ist mir ziemlich kalt und wir gehen zurück um noch ein bisschen zu schlafen.



Es klappt und wir werden gegen 8 Uhr wieder wach. Passt gut denn 9 Uhr gibt es Frühstück. Spiegeleier, Toastbrot, Porridge, Blinis und Tee und Kaffee, wir werden satt. 10 Uhr sollen wir zum ersten Ausflug antreten und als wir an der Rezeption ankommen stehen da 100 Leute und wir bekommen das Gefühl des Massentourismus. Dann kommt Olga, ein blondes russisches Mädel mit stahlblauen Augen und die spricht Deutsch. Sie bringt uns zu Sergej und seinem grünen Bus und wir steigen ein. Dieter und ich diesmal auf den rückwärts Sitzen. Dann geht es los.
Unser heutiges Ziel ist die Nordspitze der Insel. Straßen gibt es hier nicht sondern nur abenteuerliche Pisten. Zunächst fahren wir durch eine Art Grassteppe, dann tauchen wir in einen Lärchenwald ein und irgendwann fahren wir durch Sanddünen und landen an einem Strand im Dorf Pestschanaja. Hier war bis 1979 ein Arbeitslager, welches eine Fischfabrik betrieben hat. Seit 1989 wohnt hier nur noch eine alte Frau, die Fabrik ist geschlossen. Ein schöner Strand und eine schöne Umgebung.
Dann fahren wir weiter zum weißen Kap. Das ist eine Felsformation im nördlichen Teil der Insel mit ganz besonderer Ausstrahlung. Drei Felsen heben sich hier von der Steilküste ab die mit seltenen roten Flechten bewachsen sind. Von hier aus sieht man schon das Nordkap. Noch ein Stück mit dem Auto, dann beginnt unsere Wanderung zum Nordkap. Leider fehlt der blaue Himmel und alles sieht ein bisschen grau aus. Dennoch hat man einen herrlichen Blick in alle Richtungen und die Landschaft ist wunderschön. Es blüht überall und die Lärchen stehen in frischem Grün.



Die Insel liegt ziemlich genau in der Mitte des Baikalsees. Hier findet man Steppenlandschaft, schroffe Steilküsten, helle Kiefern- und Lärchenwälder und wunderbare Sandstrände. Sie ist 72 km lang und 14 km breit. Es gibt erst seit 3 Jahren Strom und keine Unterkunft mit fließend Wasser und WC.
Nach 30 Minuten stehen wir am Norkap und sehen auf die weite See. Es ist ein schönes Stück Erde. Kap Choboi, wie dieser Flecken Erde heißt, verdankt seinen Namen einer senkrecht aus dem Felsen ragenden Klippe. Kap Choboi ist ein burijatischer Name und bedeutet Reißzahn.



Wir wandern zurück und Sergej hat schon die legendäre Fischsuppe gekocht, allerdings ohne Augen. Glücklicherweise gibt es auch Käsebrot, Gurke und Tomate dazu und alle werden satt. Zum Nachtisch gibt es Lebkuchen und Tee und ganz viel Landschaft um uns rum.



Dann fahren wir wieder abenteuerliche Pisten zur nördlichsten Siedlung der Insel, Usury. Die Siedlung ist die einzige an der sonst unbewohnten Ostküste und liegt in einem geschützten Tal an einer schönen Bucht, allerdings mit steinigem Strand. Außerdem befindet sich hier eine kleine Wetterstation. Hier ist in die eine Richtung der Baikalsee und in die andere Richtung sieht es aus wie im Allgäu. Die Vielfalt der Landschaft ist beeindruckend. Winzig kleine in kräftigen Farben blühende Blumen und Kräuter, die einen tollen Duft verströmen, zirpende Grillen, unzählige Schmetterlinge, Edelweiß in Gruppen, wilder Thymian, der den Duft überall dominiert – man kann sich nicht satt sehen.
Die Wälder sehen alle aus wie Naturwälder die nicht bewirtschaftet werden. Nun müssen wir zurück und mit Zwischenstopp im Magasin, zum Bier und Wasser tanken, bringen Sergej und Olga uns in unser Quartier zurück. Dieter und ich haben nun Banja-Time. Hier gibt es ja keine Duschen, also Banja. Das kennen wir ja schon aus der Taiga. Wir mischen in einer Schüssel heißes Wasser aus dem Ofen, der eine unglaubliche Hitze verbreitet mit kaltem Wasser aus der Tonne. Da aus dem Hahn nur ein Rinnsal kommt, dauert das ewig. Dann bedient einer den Schöpfer und spielt Duschkopf, der andere kann sich waschen. Ist sehr lustig aber besser als gar nichts. Man fühlt sich jedenfalls sauber, auch wenn man nach dem Schöpfen und waschen gleich wieder schwitzt, es sind ja Saunatemperaturen. Nun geht es zum Abendbrot. Wir müssen ja immer alle zusammen gehen denn es gibt nur eine Essensmarke. Heute gibt es zur Abwechslung mal Nudeln mit einem Fleischklops und Salat mit Fisch. Schmeckt gut und reicht vollkommen aus.
Den Rest des Abends verbringen wir bei Carina auf dem Balkon mit Blick auf den Baikal. Ein schöner Tag, nun hoffen wir für morgen auf Sonne. Gute Nacht.




22. Juli

Ausflug in die Mitte und in die Südhälfte der Insel mit dem Gelben See und inkl. Picknick unterwegs sowie deutschsprachiger Begleitung.
Wir gehen 9 Uhr wieder gemeinsam zum Frühstück. Heute probiere ich Porridge. Mit Marmelade kann man es essen, ist allerdings sehr nahrhaft. 2 Spiegeleier mit Käsebrot und einen Blini, dann platze ich fast. 10 Uhr treffen wir uns wieder vorn am Tor. Olga begleitet uns auch heute wieder, auch Sergej, der Busfahrer ist mit seinem grünen Bus dabei.
Wir fahren zunächst Richtung Süden und biegen dann Richtung Westen ab. Auf einer großen Wiese machen wir halt und beginnen mit einer wunderbaren Wanderung durch das Taschkinei-Tal. Sylvi meinte: so stelle ich mir das Paradies vor und ich wusste, was sie meint. Solche Wiesen mit so vielen verschiedenen Blumen gibt es bei uns schon lange nicht mehr. Eine unglaubliche Vielfalt, ein Farbenmeer, ab und zu Waldstücke in denen es angenehm kühl ist und dann wieder Wiesen und Blumen. Überall tummeln sich Hunderte von Schmetterlingen, hier ist die Natur noch in Ordnung (bis auf das Müllproblem).




Irgendwann öffnet sich der Blick auf das Meer, so der Eindruck. Das 'Meer' ist natürlich der Baikalsee, man sieht aber kein Ufer. Heute ist wunderbares Wetter. In der Nacht hat es gestürmt und geregnet und der Morgen hat nicht gleich den Eindruck gemacht, dass es ein schöner Tag wird. Nun ist kein Wölkchen mehr am Himmel und es ist einfach nur schön. Auf dieser Seite der Insel ist überall teilweise bewaldete Steilküste und ab und zu gibt es kleine Buchten mit Kieselsteinen. An einer solchen Bucht kommen wir an und sind überwältigt von der Schönheit des Sees und dem tiefen Blau. Wir lassen uns nieder und genießen gemeinsam den Augenblick.



Hier könnten wir den ganzen Tag sitzen, das geht aber leider nicht. Nach einer Stunde müssen wir den Rückweg antreten. Das ist ziemlich warm denn es geht immer bergauf und die Sonne brennt vom Himmel. Es fließt viel Schweiß aber wir schaffen es. Oben hat Sergei Omul gebraten und es gibt dazu Brot mit Käse, Gurken und Tomaten sowie Weihnachtskekse. Dazu Tee in dem wohl der Thymian vom Wegesrand ist, so schmeckt er jedenfalls.

Wir haben uns auf der Wiese verteilt und genießen das Picknick und vor allem Wasser. Nun beginnt eine abenteuerliche Fahrt durch den Wald. Die Wege sind ausgespült und es liegen viele Bäume quer. Überall da wurde ein neuer Weg Drumherum geschaffen. Immer wenn es besonders rumpelte meinte Sergej: Massage!!!!!!!!!!!!!!!!!! Wir sind beeindruckt von den Fahrkünsten und er bringt uns sicher um jeden Baum herum. Abenteuerlich aber sehr lustig. Bandscheibenteststrecke, die hatten wir mehrfach. Befestigte Straßen gibt es hier ja nicht.
Unser jetziges Ziel ist der gelbe See, ein Salzwassersee mitten auf der Insel mit Heilschlamm und hohem Schwefelgehalt. Hier lassen wir uns am Ufer noch etwas nieder und Carina und Sylvi beschlammen ihre Knie.



Dann fährt uns Sergej noch zu einem Punkt über unserem Ort und wir haben einen fantastischen Blick über den See. Das Blau welches wir gestern vermisst haben, ist heute da. Dann holen wir noch Getränke und fahren zurück. In unserem Zimmer ist es trotz Wärme draußen angenehm kühl und bis zum Abendbrot ist Zeit für Fotos kopieren und Bericht schreiben.
Zum Abendbrot gibt es natürlich Fisch und Kartoffelsalat sowie Reis mit Fleisch und zum Nachtisch ein mit Mohn gefülltes Hefebrötchen. Wir werden satt. Dann gehen Dieter und ich durch die Anlage. Alles total verwinkelt und recht eng aufeinander gebaut aber es hat Charme. Viele Häuser mit Schnitzereien und Außenmalereien. Als wir in den Kindergarten rein sehen werden wir gleich rein gebeten. Die Kindergärtnerin erzählt und zeigt uns alles was die Kinder so machen. Sie malen und basteln aus Knete und Salzteig und es kommen Kinder zwischen 1 Jahr und 20 Jahren. Sie erzählt alles auf Russisch und ich verstehe sogar Einiges und antworte auch.
Sie freut sich dass sie Zuhörer hat. Dann landen wir in der Bar und bestellen ein kaltes Bier. Hier treffen sich offensichtlich alle jungen Alleinreisenden und es wird Englisch, Italienisch und Französisch gesprochen und es herrscht eine interessante Atmosphäre. Irgendwann gehen wir zurück denn wir haben einen Termin in der Bania. Man muss sich immer in einen Kalender eintragen und dann muss man pünktlich sein. Wir haben jetzt schon raus wie das ganz schnell geht. Dieter füllt den Tank auf und ich mische Wasser, dann wird geschöpft. Ist sehr lustig.
Den restlichen Abend saßen wir draußen um die Feuerstelle und genießen ein Bierchen und das Farbspiel der untergehenden Sonne. Ein toller Tag der sehr traurig begann.


23. Juli

Olchon mit Programm : Bootstour
Auch diese Nacht haben wir hinter uns gebracht. Ich wache 5.30 Uhr auf und ein Blick nach Draußen sagt mir: heute lohnt Teil 2 vom Sonnenaufgang. Also gehe ich los und es ist wirklich sehr lohnend. Die Sonne schiebt sich über den Berg und taucht die Welt in wunderbare Farben. Die Ruhe ist unglaublich und es ist richtig schön hier.





Gegen 7 Uhr gehe ich wieder zurück und lege mich noch einmal ins Bett. 8 Uhr wie immer aufstehen und 9 Uhr frühstücken, 10 Uhr losgehen. Auch heute ist Olga wieder dabei, Allerdings fahren außer uns noch ein Vater mit Tochter aus Pankow und 12 Russen mit. Wir laufen zum Strand und dort wartet ein kleines Boot auf uns. Wir steigen ein und es geht los. Das Wetter ist einfach herrlich und der Bailkalsee ist tief blau. Wir fahren einmal quer rüber, vorbei an einer Insel mit lauter Komoranen und begleitet von Möwen. Eine schöne Tour und wir genießen den Baikal so wie wir ihn uns vorgestellt haben.



Nun wandern wir zur heiligen Quelle. Vom Boot aus habe ich gedacht, oh schöner schattiger Wald. Die Realität sieht aber anders aus. Ein sonniger Weg und immer bergauf. Ich sehe das erste Mal gelben Mohn, sieht interessant aus. Auch hier wieder viele Schmetterlinge und Blumen. An der Quelle angekommen wässern wir uns alle. Das Wasser hat wohl 4 Grad, tut aber gut wenn man so geschwitzt hat.
Irgendwann geht es zurück an den Strand und hier gibt es doch tatsächlich frisch gezapftes kühles Bier. Was für eine Wohltat. Die Zeit reicht auch noch für ein zweites Bier. Dann geht es per Boot weiter. Die Sonne scheint und durch den Fahrtwind merkt man es kaum. Das ist recht gefährlich. ca. 2 Stunden schippern wir über den See, vorbei an einer Baikalrobbeninsel bis zu einer Insel auf der eine kleine Stupa steht. Wir liegen vorn auf dem Boot und genießen die Fahrt. Zwischendurch gibt es Essen, Suppe, Brot, Gurken und Tomaten. Zur Stupa gibt es wieder eine kleine Wanderung. Für den Heimweg brauchen wir wieder ca. 2 Stunden, diesmal fahren wir gegen den Wind und es ist ziemlich kalt. Außerdem wackelt es etwas denn es hat einige Wellen.
Irgendwann gegen 19 Uhr landen wir wieder in unserer Bucht. Auch heute wieder ein schöner Ausflug und so ganz anders als die beiden Ausflüge gestern und vorgestern. Zurück im Camp gehen wir zum Abendbrot. Das Essen hier wird uns nicht wirklich fehlen. Nun noch Banja und dann ein gemeinsames Bier. Auf zur letzten Nacht.


24. Juli

Rückfahrt von Olchon nach Irkutsk mit Fotostopps nach Belieben, Hotel Victory.
Der Himmel weint ein bisschen und die Regenwolken begleiten uns auf dem ganzen Weg bis Irkutsk. Heute bekommen wir schon 8 Uhr Frühstück und 9 Uhr kommt der Bus zu unserer Hütte und holt unser Gepäck und uns ab. Es ist wieder der gescheckte Bus mit dem arroganten Fahrer und ich sitze auch diesmal wieder auf einer Eisenstange und bin froh, dass wir nach einer Stunde aussteigen können. Nun warten wir eine ganze Weile auf die Fähre und es dauert ewig, bis die dann wieder los fährt. Irgendwann spricht uns ein russischer Bär an, wir wissen nicht wirklich was er von uns will. Er erzählt dann irgendwas von 8 Personen und da wussten wir, dass man unseren Weg verfolgt und immer genau weiß wo wir sind. Wir treffen den Menschen auch am anderen Ufer wieder und es stellt sich heraus, dass er unser Fahrer ist.



Diesmal wird das Gepäck auf dem Dach verladen, so haben wir einigermaßen Platz. Alles ist grau und ab und zu regnet es. Irgendwann sind aber auch die 5 Stunden Fahrt vorbei und wir werden im Hotel abgeliefert. Zimmer beziehen und ein wenig Ruhe, 19 Uhr treffen wir uns wieder und ziehen ins Bierhaus gleich neben an. Hier gibt es einen großen gemütlichen Gewölbekeller und englische Speisekarten. Es gibt deutsches, irisches, belgisches und russisches Bier und lauter leckere Sachen zu Essen. Wir finden alle was. Ich esse Hühnerfilet mit Champis zum Spieß gedreht und Sahnesoße dazu, schmeckt sehr gut. Als Begrüßung gab es Bratbrot in Knoblauch geschwenkt, da konnte man schon satt werden von. Nach dem Essen gehen wir zurück ins Hotel, die Nacht wird kurz.


25. Juli

Transfer zum Flughafen und Abflug nach Moskau um 07.00 Uhr mit der Aeroflot Flug SU 750, Ankunft in Moskau auf dem Flughafen Scheremetjewo um 08.05 Uhr. Transfer (d.h. Abholung durch einen Fahrer, der mit einem DIN A4 großen Namensschild am einzigen Ausgang nach dem Zoll wartet) zu dem verkehrstechnisch günstig direkt an der Metrostation Partisanskaja an der dunkelblauen Linie im Nordosten des Stadtzentrums gelegenen Hotels Ismailovo Alfa. Halber Tag mit deutschsprachiger Führung: Um 10.30 Uhr im Hotel in der Lobby abgeholt, fahren mit der Metro zu den schönsten Stationen und haben anschließend eine Führung zu Fuß durch das historische Zentrum sowie eine Kremlbesichtigung inkl. Eintrittsgebühren für den Kreml.
Leider klappt heute irgendwie nichts. Doch, das Frühstück gegen 4.30 Uhr und das hätte es in keinem deutschen Hotel gegeben um diese Zeit. Auch der große Bus ist pünktlich und bringt uns zum Flughafen. Hier fängt es dann an. Eigentlich wollen wir einchecken aber der Flieger ist erst für 9 Uhr im Abflug angezeigt, also 2 Stunden später. Naja, ärgerlich aber nicht zu ändern. Irgendwann ist der Flug von der Tafel verschwunden und wir wundern uns. Dann taucht er wieder auf mit Abflug 13 Uhr. Ist sehr ärgerlich denn die Zeit fehlt uns in Moskau und auf Moskau hatten wir uns eigentlich sehr gefreut auch wenn es da 36 Grad sein sollen. Es ist ein Problem auf diesem Flughafen eine Sitzgelegenheit zu finden. Also Warten, was bleibt uns anderes übrig.
Die Letzte Anzeige war 13.20 Uhr gestartet sind wir dann 13.40 Uhr also mit fast 7 Stunden Verspätung. Das hatte ich noch nie aber es soll ja Leute geben die tagelang auf Flughäfen festsitzen. Dann fliegen wir ca. 6 Stunden mit der Zeit und sind gegen 15 Uhr Moskauer Zeit in Moskau. Diesmal kommen wir relativ schnell zu unserem Gepäck und Victor wartet auf uns. Er hat wieder seinen unverkennbaren Schlabberlook an, sein verwaschenes T-shirt, seine dreiviertellange Schlabberhose, die Wollsocken und Latschen. Er erzählt, dass er seit heute Morgen auf uns wartet und hat einen Freund mitgebracht. Als wir hier aus dem Flieger steigen habe ich das Gefühl in Dubai oder der Karibik zu sein. 39 Grad sind es laut den Anzeigen unterwegs. Victor hat einen kleinen Bus mit und einen zweiten Fahrer mit einem Lada. In den steigen Dieter, Simone und ich ein, die anderen sitzen im Bus. In Windeseile bringen die Beiden uns dann zum Kreml, dort wartet Tatjana, die Fremdenführerin auf uns. Sie hat geklärt, dass wir noch in den Kreml dürfen, eigentlich macht er 17 Uhr zu.
Der Moskauer Kreml (russ. Московский Кремль; wiss. Transliteration: Moskovskij Kreml) ist der älteste Teil der russischen Hauptstadt Moskau und deren historischer und geografischer Mittelpunkt. Es handelt sich dabei um eine ursprünglich im Mittelalter entstandene Burg, die ab Ende des 15. Jahrhunderts nach dem Muster einer Zitadelle neu errichtet wurde. Kennzeichnend für das architektonische Ensemble des Moskauer Kremls ist dessen aus der Begrenzungsmauer und ihren 20 Türmen bestehender Befestigungskomplex, der in seiner heutigen Form zum größten Teil in den Jahren 1485 bis 1499 erbaut wurde und bis heute gut erhalten ist. Nach seiner Fertigstellung diente er mehrfach als Vorbild für ähnliche Festungen, die in mehreren weiteren russischen Städten entstanden.
Vor der Verlegung der russischen Hauptstadt nach Sankt Petersburg Anfang des 18. Jahrhunderts diente der Moskauer Kreml als Residenz der russischen Zaren bzw. vor dem 16. Jahrhundert als Sitz der Moskauer Großfürsten. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein galt er außerdem als Zentrum des geistlichen und gesellschaftlichen Lebens der Moskowiter. 1918 wurde der Kreml wieder Sitz der Staatsmacht und hat diesen Status bis heute, wo er als Amtssitz des russischen Präsidenten dient, beibehalten. Das architektonische Ensemble des Kremls, das neben den Befestigungsanlagen eine Reihe von aus verschiedenen Zeitepochen stammenden Sakral- und Profanbauten innerhalb seiner Mauern beinhaltet, hat gleichzeitig den Status eines Museums inne und steht seit 1990 auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Zusammen mit dem benachbarten Roten Platz, der sich ebenfalls auf dieser Liste findet, gilt der Kreml gemeinhin als die wichtigste Sehenswürdigkeit Moskaus.


Dann gibt es Power Walking durch das Kreml-Gelände, durch alle Kathedralen und den Palast des Patriarchen. Nebenbei gibt es Moskauer Geschichte geballt und wir lernen alle Zaren Russlands und ihre Gräber kennen. Und das alles bei fast 40 Grad. Wir können gar nicht so schnell Wasser in uns hinein schütten wie wir es wieder ausschwitzen. Es ist aber unheimlich interessant.
Ich hatte mir den Kreml ganz anders vorgestellt. In meinem Gedächtnis war Kreml eine rote Mauer mit ein paar Türmchen und das Lenin Mausoleum davor. Dass hier soviel Geschichte geschrieben wurde und es derartig viele Kathedralen gibt, hätte ich nicht erwartet.

Dann gehen wir in einem unterirdischen Kaufhaus etwas Essen. Eine ganze Etage mit verschiedenen Nationalitätenständen. Dieter und ich kosten verschiedene Pizza-Sorten und gönnen uns ein kühles Bier. Eine Wohltat bei diesen Temperaturen.
Dann darf ich ihn einfach doch noch sehen – den Roten Platz. Ich kenne ihn ja aus den Schulbüchern und war noch nie hier. Es ist so unwirklich jetzt hier zu stehen. Da ist sie, die Basilius-Kathedrale mit den bunten Zwiebeltürmen, die rote Kremlmauer aus Backsteinen, das Lenin-Mausoleum und das riesige GUM. Alles ist leicht in Dunst gehüllt, die Hitze produziert Dunst, oder sind es die Abgase und der Smog? Man weiß es nicht. Jedenfalls genießen wir den Augenblick.
Der Rote Platz (russ. Красная Площадь, wiss. Transliteration Krasnaja Ploščadʹ) ist einer der ältesten und auf Grund seiner Größe, seiner geschichtlichen Bedeutung und der angrenzenden historischen Bauwerke der international berühmteste Platz in Moskau und einer der bekanntesten der Welt. Er befindet sich im Zentrum der historischen Moskauer Altstadt, vor den östlichen Mauern des Kremls, und gilt mit Gebäuden wie der Basilius-Kathedrale, dem Lenin-Mausoleum und dem Warenhaus GUM als Wahrzeichen der Stadt. Zudem gehört er seit 1990 zum UNESCO-Welterbe. Der Rote Platz weist eine annähernd rechteckige Form auf, ist 70 Meter breit und 330 Meter lang. Er erstreckt sich der Länge nach von Nordwesten nach Südosten entlang eines Teilstücks der Mauer des Kremls, das seine Begrenzung an der südwestlichen Seite bildet. Im Nordosten wird der Platz durch das Gebäude des Kaufhauses GUM und das alte Stadtviertel Kitai-Gorod, im Nordwesten durch das Historische Museum und das Auferstehungstor und im Südosten durch die Basilius- Kathedrale begrenzt. Nordwestlich des Platzes beginnt hinter dem Gebäude des Historischen Museums die Twerskaja-Straße, südöstlich schließt sich der sogenannte Basilius-Hang an, der zum nahen Moskwa-Fluss hinab und über eine Brücke in das Stadtviertel Samoskworetschje führt. Nordöstlich zweigen zwei Straßen vom Roten Platz ab: die Nikolskaja-Straße (Никольская улица, benannt nach dem direkt gegenüber stehenden Nikolaus-Turm des Kremls) und die Iljinka (Ильинка), beide seit dem 14. Jahrhundert bestehend und ehemals wichtige Verkehrsadern des alten Moskau. Heute ist der Platz selbst, mit Ausnahme des durch ihn führenden Zufahrtsweges zum Erlöser-Tor des Kremls, eine Fußgängerzone.



Dann führt uns Tatjana noch durch einen Feinkostladen im GUM, der kann aber locker mit dem KaDeWe mithalten. Dann zeigt sie uns noch das Bolschoi-Theater und am Platz der Revolution steigen wir dann in die Metro und fahren bis zum Partisanenplatz. Dort steht unser Hotel – das Hotel Alfa. Es ist ein riesiger Klotz mit ca. 30 Etagen. Wir bekommen unsere Zimmer in der 25. Etage. Leider gibt es keine Klimaanlage und es ist unerträglich. Ein Gewitter bringt zwar Regen aber keine Abkühlung. Wir holen bei der Etagenmutter noch 2 kühle Bier und zwei Wasser und ich falle dann ins Bett. Schließlich ist es für unseren Körper ja noch 6 Stunden später. Bis auf wenige Unterbrechungen schlafe ich ganz gut und wache gegen Sechs Uhr auf.


26. Juli

Ein halber Tag mit deutschsprachiger Führung: Sie werden um 08.30 Uhr im Hotel abgeholt, fahren mit der Metro zur Erlöser Kathedrale (der Chor singt leider nur samstags und sonntags) zu. Anschließend fahren Sie zur Anlegestelle und machen eine eineinhalbstündige Schiffsfahrt auf der Moskwa (Schiffstickets sind nicht im Preis enthalten), vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Gegen 13.00 Uhr Transfer zum Flughafen und Abflug nach Berlin um 17.10 Uhr mit Flug AB 8353, Ankunft um 17.55 Uhr. Weiterflug von Berlin nach Stuttgart um 21.25 Uhr mit Flug AB 6541, Ankunft um 22.40 Uhr.
Wir treffen uns halb Acht zum Frühstück und gegen halb Neun holt Tatjana uns ab. Unser letzter Tag ist angebrochen. Das Gepäck haben wir abgegeben und nun besichtigen wir die Moskauer Metro.
Tatjana zeigt uns die schönsten Stationen und es ist wirklich unglaublich die Stationen und das Treiben hier zu erleben. Aller 40 Sekunden kommt ein Zug. Man muss beim Ein- und Aussteigen sehr schnell sein, sonst kommt man nicht mit. Mit jedem Zug ergießen sich hunderte von Menschen auf die Bahnsteige und eilen den Ausgängen entgegen. Ein Gewusel und Gewimmel.



Die Moskauer Metro (russ. Московский метрополитен / Transkription: Moskowskij metropoliten, umgangssprachlich Московское метро / Moskowskoje metro), 1935 eröffnet, ist die U-Bahn der russischen Hauptstadt Moskau. Sie gehört zu den U- Bahn-Systemen mit den tiefsten Tunneln und Bahnhöfen der Welt und ist mit knapp 2,4 Milliarden Fahrgästen jährlich (Stand: 2009) auch eine der am stärksten in Anspruch genommenen U-Bahnen der Welt. Außerdem sind die Stationen der Moskauer Metro aufgrund ihrer teilweise sehr anspruchsvollen Architektur als unterirdische Paläste bekannt.
Die Moskauer Metro (vollständiger Name: Staatliches unitares Unternehmen „Moskauer Metro“, russisch Государственное унитарное предприятие «Московский метрополитен» / Transkription Gossudarstwennoje unitarnoje predprijatije Moskowski metropoliten) verfügt über ein 302 Kilometer langes Liniennetz mit 182 Stationen.

Nachdem wir uns einige Stationen incl. Bemalung und Beleuchtung angesehen haben tauchen wir an der Erlöser- Kathedrale wieder auf. Nun laufen wir an der Moskwa entlang und erleben einen wunderbaren Blick auf den Kreml incl. Palast. Leider ist es auch heute wieder durch die Hitze sehr diesig und wir schwitzen erneut um die Wette. In Deutschland waren es ja wohl 5 Wochen solche Temperaturen.

Nachrichten RP online 28. 07.
Moskau (RP). Der heißeste Juli seit 130 Jahren macht den Menschen in der russischen Hauptstadt derzeit zu schaffen. Hinzukommt dichter Rauch, der von Torfbränden, die in der Umgebung wüten, in die Stadt zieht.
Schon morgens um fünf quillt beißender Brandgeruch durch das offene Fenster. Das Atmen fällt schwer, Mund und Nase kribbeln. Wenig später beträgt die Temperatur bereits über 30 Grad Celsius. Ein blau-grauer Dunst umhüllt Moskau. Selbst die goldenen Kuppeln des Kremls sind kaum zu sehen. Auf dem Weg zur Arbeit tragen viele Menschen Schutzmasken. Andere bleiben gleich zu Hause. Torfbrände und Rekordhitze machen den Moskauern das Leben zur Qual. Es ist der heißeste Juli seit 130 Jahren: Anfang der Woche (da waren wir gerade da) wurde erstmals seit Einführung der Wetterbeobachtung eine Temperatur von 39 Grad gemessen.




Auch die Moskwa-Insel zeigt uns Valentina noch bevor wir uns auf dem Roten Platz verabschieden. Wir genießen nun im GUM einen Eiskaffee und ein Bier und natürlich die Atmosphäre. Leider müssen wir dann zurück zum Hotel, wieder mit der Metro. Hier werden wir wieder von Victor und seinem Kollegen in Empfang genommen und die fahren uns in 90 Minuten zum Flughafen. Hier essen wir noch für unsere letzten Rubel, dann checken wir ein. Am Gate gibt es keine Sitzgelegenheiten und es ist sehr warm und stickig. Eine ältere Frau ist kurz vor dem Kollaps und wird von einem Sanitäter versorgt. Dann teilt man uns mit, dass die Maschine zwar schon über dem Flughafen kreist, wegen der Wettersituation aber nicht landen kann. Also weiter warten. Endlich kommt sie und irgendwann können wir dann auch einsteigen. Das hilft aber wenig. Eine Betrunkene befindet sich im Sitzstreik und das bedeutet, man muss alle Koffer ausräumen um ihr Gepäck zu finden, damit es wieder ausgeladen werden kann. Auch das ist irgendwann geschafft. Dann werden wir auf Warteposition geschoben und müssen wieder warten. Gewitter rund um Moskau, sie lassen nicht starten. Naja, besser als in Blitz und Donner durchgeschüttelt zu werden.
Mit fast 2 Stunden Verspätung geht es dann endlich los. Uns ist das relativ egal denn ob wir in Moskau warten oder dann in Berlin, unser Anschlussflieger fliegt erst 21 Uhr. Eine Reihe vor uns ein ewig schreiendes Kind mit riesigen Hörnern. Es nervt aber man kann es ja nicht abstellen. Unterwegs gibt es ein Brötchen und ich gönne mir eine Flasche Wein. In Berlin müssen wir dann durch die Passkontrolle und am Gepäckband sagen wir Tschüss. Erika ist verschwunden ohne sich von irgendwem zu verabschieden. Carina hat es eilig, weil sie zum Zug muss, Rainer fährt mit dem Taxi heim und Sylvi und Volkmar nehmen den Bus.
Wir brauchen ja keine Koffer abholen und in der Wartehalle von Air Berlin gönnen wir uns ein Bier und eine Brezel. Der Flug nach Stuttgart ist pünktlich und dauert nur 50 Minuten. Nachdem wir in Moskau bei 40 Grad losgeflogen sind, kommen wir hier bei 15 Grad an. Wir sind aber froh, dass wir alles überstanden haben. Der Transfer-Bus zum Parkhaus steht schon da und unser Auto bringt uns dann schnell nach Hause.
Es waren tolle 3 Wochen mit unglaublich vielen Eindrücken. Gegensätze aber jede Menge beeindruckende Natur und sehr viele sympathische Menschen die wir kennenlernen durften und die dafür gesorgt haben, dass es uns gut geht.

Wir sind auch nach dieser Reise sehr dankbar, dass wir sie erleben durften und dass alles gut
gegangen ist.

- ENDE -